Kuba gegen Contras

By Published On: Febru­ar 27, 2026Cate­go­ries: News

Küstenwache der sozia­lis­ti­schen Kari­bik­in­sel wehrt Ter­ror­kom­man­do ab. USA bestrei­ten Ver­bin­dung zu Eindringlingen. 

(Tages­zei­tung jun­ge Welt, 27.02.26 von Vol­ker Hermsdorf)

Es riecht nach einer geziel­ten Pro­vo­ka­ti­on. Bei einem Schuss­wech­sel mit der schwer­be­waff­ne­ten Besat­zung eines aus den USA kom­men­den Schnell­boots haben kuba­ni­sche Sol­da­ten am Mitt­woch vier mut­maß­li­che Ter­ro­ris­ten erschos­sen und sechs fest­ge­nom­men. Die Insas­sen des in Flo­ri­da regis­trier­ten Boo­tes waren in kuba­ni­sche Hoheitsgewässer ein­ge­drun­gen, hat­ten das Feu­er auf fünf Angehörige der Küstenwache eröffnet und den Kom­man­dan­ten der Grenz­schutz­ein­heit ver­letzt. Dar­auf­hin feu­er­ten die kuba­ni­schen Sol­da­ten zurück, teil­te das Innen­mi­nis­te­ri­um mit. Im »Gepäck« der Angrei­fer wur­den unter ande­rem Sturm­ge­weh­re, Kurz­waf­fen, Sprengsätze, kugel­si­che­re Wes­ten, Ziel­fern­roh­re und Tarn­uni­for­men gefunden.

Mit der Ope­ra­ti­on sei ein »Plan zur Verübung eines ter­ro­ris­ti­schen Anschlags in Kuba« ver­ei­telt wor­den, so Pren­sa Lati­na. Alle an dem Angriff Betei­lig­ten sei­en in den USA leben­de und für »kri­mi­nel­le und gewalttätige« Aktio­nen bekann­te Exil­ku­ba­ner. Nach zwei der sechs Fest­ge­nom­me­nen sei bereits wegen ter­ro­ris­ti­scher Aktivitäten gefahn­det wor­den. In Kuba war zudem ein wei­te­rer Kom­pli­ze des Trupps ver­haf­tet wor­den, der nach Mit­tei­lung der Behörden gestand, dass er aus den USA geschickt wur­de, um den bewaff­ne­ten Trupp zu emp­fan­gen. Der Bru­der eines getöteten Besat­zungs­mit­glieds sag­te gegenüber AP, er traue­re um sei­nen Bru­der, bedaue­re jedoch, dass der in ein »obses­si­ves und teuf­li­sches Stre­ben nach Kubas Frei­heit« ver­fal­len sei.

Die kuba­ni­sche Regie­rung bekräftigte, ihre Hoheitsgewässer zur Ver­tei­di­gung der eige­nen Souveränität und der Stabilität in der Regi­on zu schützen. Staatspräsident Miguel Díaz-Canel erklärte: »Kuba wird sich mit Ent­schlos­sen­heit und Stand­haf­tig­keit gegen jede ter­ro­ris­ti­sche und söldnerische Aggres­si­on ver­tei­di­gen, die sei­ne Souveränität und natio­na­le Stabilität gefährden will.« Die Spre­che­rin des rus­si­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums, Mari­ja Sacha­rowa, hob her­vor, dass das Boot der Angrei­fer unter US-Fla­g­­ge fuhr. »Es han­delt sich um eine aggres­si­ve Pro­vo­ka­ti­on der USA, deren Ziel es ist, die Lage eska­lie­ren zu las­sen und einen Kon­flikt auszulösen«, erklärte sie am Don­ners­tag in einem Spu­t­­nik-Inter­­view. Wie AP berich­te­te, hat­te Con­ra­do Galin­do Sari­ol, einer der Fest­ge­nom­me­nen, in dem von der US-Regie­rung finan­zier­ten Por­tal Mar­tí Noti­ci­as bereits im Juni 2025 angekündigt, er wer­de sehr bald »die Kämpfe der Kuba­ner für die not­wen­di­ge Frei­heit« unterstützen.

Die USA bestrei­ten indes jede Ver­bin­dung zu den Boots­in­sas­sen. Außen­mi­nis­ter Mar­co Rubio erklärte, es habe sich nicht um eine US-Ope­ra­­ti­on gehan­delt, und es sei kein

US- Regie­rungs­per­so­nal betei­ligt gewe­sen. Er wer­de »nicht darüber spe­ku­lie­ren, wem das Boot gehörte, was sie taten, war­um sie dort waren, was tatsächlich pas­siert ist«. Washing­ton wer­de aber den »ungewöhnlichen Vor­fall« unter­su­chen und »ent­spre­chend reagie­ren«. Die US-Küstenwache habe sich in die Regi­on bege­ben. Flo­ri­das Gene­ral­staats­an­walt James Uth­mei­er ord­ne­te Ermitt­lun­gen an. »Wir wer­den alles tun, um die­se Kom­mu­nis­ten zur Rechen­schaft zu zie­hen«, warn­te er.

Der Zwi­schen­fall erfolg­te auffälligerweise zur sel­ben Zeit, zu der das US-Finan­z­­mi­­nis­­te­ri­um ankündigte, »Lizen­zen für Ölexporte zum kom­mer­zi­el­len und humanitären Gebrauch in Kuba zu ertei­len, sofern die­se nicht die kuba­ni­sche Regie­rung ein­be­zie­hen«. Die Situa­ti­on erin­nert an eine Pro­vo­ka­ti­on der exil­ku­ba­ni­schen Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on »Brot­hers to the Res­cue«, die 1996 mit Klein­flug­zeu­gen so lan­ge in den kuba­ni­schen Luft­raum ein­drang, bis zwei der Maschi­nen abge­schos­sen wur­den. Danach zog US-Präsident Bill Clin­ton ein zuvor angekündigtes Veto zurück und unter­zeich­ne­te den soge­nann­ten Helms-Bur­­ton Act, mit dem die Blo­cka­de der Insel verschärft wurde.

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