Unvoll­kom­men, aber nicht besiegt

By Published On: März 6, 2026Cate­go­ries: News

06.03.2026: (Tages­zei­tung jun­ge Welt von Michel Tor­res Corona)

Vor vier Jahr­hun­der­ten beschloss Galieo Gali­lei, die Dog­men der Kir­che in Fra­ge zu stel­len und die The­se des Koper­ni­kus zu ver­tei­di­gen: Nicht die Son­ne dreht sich um die Erde, son­dern umge­kehrt. Das brach­te ihm die Feind­schaft der Kir­che und ein Inqui­si­ti­ons­ver­fah­ren wegen Ket­ze­rei ein. Gali­leo wider­rief öffentlich all sei­ne Behaup­tun­gen, die auf soli­der wis­sen­schaft­li­cher Beweisführung basier­ten, und ging vor dem irra­tio­na­len Kon­ser­va­tis­mus in die Knie. Auf dem Ster­be­bett, so heißt es, soll er dann gemur­melt haben: »Und sie bewegt sich doch.«

Der Satz ist wahr­schein­lich nur Legen­de. Doch ist er zum Sym­bol dafür gewor­den, das zu hin­ter­fra­gen, was dem Zwang und nicht der Logik ent­springt. So kam es, dass Gali­leo zum Sinn­bild des Men­schen wur­de, der von arro­gan­ten Mächten, die Ver­nunft und Wahr­heit aus poli­ti­schem Inter­es­se leug­nen, zum Schwei­gen gebracht wurde.

Heu­te wer­den alle möglichen Beschul­di­gun­gen gegen Kuba vor­ge­bracht, aber was uns unse­re Fein­de tatsächlich nicht ver­zei­hen, ist die blo­ße Tat­sa­che, dass wir ein Gesell­schafts­mo­dell in Fra­ge stel­len, das welt­weit herrscht und das wir unter dem Namen Kapi­ta­lis­mus ken­nen. Für sie ste­hen Geld und Waren im Mit­tel­punkt des Uni­ver­sums: Alles dreht sich ums Eigeninteresse.

Um die »Demo­kra­tie« zu ver­tei­di­gen, grei­fen unse­re Fein­de zu Zwangs­maß­nah­men, die im Gegen­satz zur inter­na­tio­na­len Rechts­ord­nung ste­hen. Um »unse­re Men­schen­rech­te zu ver­tei­di­gen«, blo­ckie­ren sie Kuba. Das erschwert nicht nur unse­re Selbst­ver­wirk­li­chung als Bürger, son­dern sogar unser blo­ßes Fort­be­stehen als Lebe­we­sen. Sowohl Mike Ham­mer, der zyni­sche diplo­ma­ti­sche Ver­tre­ter der Ver­ei­nig­ten Staa­ten als auch Maria Elvi­ra Sala­zar, in Miami gebo­re­ne Abge­ord­ne­te im US-Kon­­­gress, die ihre Kar­rie­re (und ihr Vermögen) mit ihrer Feind­schaft zu Kuba gemacht hat, spra­chen in den ver­gan­ge­nen Tagen über das »Opfer« unse­res Vol­kes. Sie wis­sen, dass wir lei­den, dass es immer schwie­ri­ger wird, etwas zu essen zu fin­den oder Strom zu haben.

Das jüngste Urteil der Trump­schen Inqui­si­ti­on beinhal­tet, Kuba jeg­li­chen Zugang zu Treib­stoff zu ver­weh­ren. Das Trans­port­we­sen ist am härtesten getrof­fen. Vor allem am Wochen­en­de sind die Stra­ßen prak­tisch leer, das Ben­zin auf dem Schwarz­markt wird immer teu­rer. Die Bus­se zwi­schen den Pro­vin­zen haben ihre Fahr­ten redu­ziert. In den Städten ist der Betrieb prak­tisch ein­ge­stellt worden.

Wir sind wei­ter Ket­zer der inter­na­tio­na­len Ord­nung, die vom Impe­ria­lis­mus befeh­ligt wird. Wir wer­den wei­ter unse­re Souveränität ver­tei­di­gen. Wie kom­men wir Kuba­ner von der Stel­le, wenn man uns den Treib­stoff ver­wei­gert? Nun, wir fah­ren mit dem, was sich ergibt, mit elek­tri­schen Fahr­zeu­gen, mit dem Fahr­rad oder mit dem weni­gen Ben­zin, das noch im Umlauf ist. Wir machen es auf soli­da­ri­sche Wei­se, bit­ten um Mit­fahr­ge­le­gen­heit oder orga­ni­sie­ren kol­lek­ti­ve Metho­den zur Unterstützung. Und wir gehen sehr viel zu Fuß.

Die kuba­ni­sche Regie­rung unter­nimmt gro­ße Anstren­gun­gen, das ist aner­ken­nens­wert. Es sind Schif­fe mit Erdöl in Kuba ange­kom­men, nie­mand weiß wie oder woher. Wie José Mar­tí bestätigen würde: »Es gibt Din­ge, die, damit sie erfolg­reich sein können, im Ver­bor­ge­nen gesche­hen müssen.« Es ist geplant, die Res­sour­cen dort­hin zu ver­le­gen, wo sie am nötigsten sind. Ein staat­li­ches Unter­neh­men soll geschaf­fen wer­den, um das medi­zi­ni­sche Per­so­nal, das mit so weni­gen Res­sour­cen aus­kom­men muss, mit elek­tri­schen Fahr­zeu­gen zu befördern. Im kuba­ni­schen Sozia­lis­mus, unvoll­kom­men und kritikwürdig, aber nicht besiegt, plant man für die Mehr­heit, für die, die am ver­letz­lichs­ten sind. Die Gesund­heit, die­ses Men­schen­recht, das unse­re so »besorg­ten« Fein­de uns ver­wei­gern, ist wei­ter­hin die Priorität unse­res Staates.

Man macht uns das Leben immer schwe­rer, und doch sind wir hier und am Leben. Viel­leicht haben wir bald kei­nen Treib­stoff mehr. Und Kuba, unse­re Insel, sie bewegt sich doch.

Übersetzung: Rena­te Faus­ten. Zuletzt schrieb der kuba­ni­sche Jour­na­list Michel Tor­res Coro­na am 21. Febru­ar über die aktu­el­le Lage

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