Kuba von Impor­ten abgeschnitten

By Published On: Mai 19, 2026Cate­go­ries: News

Jun­ge Welt / 19.05.2026 von Kurt Terstegen/

Ree­de­rei­en Hapag-Lloyd und CMA CGM stop­pen Trans­por­te vom und in den sozia­lis­ti­schen Inselstaat.

Die neu­en Ver­schär­fun­gen der US-Blo­ck­a­­de gegen Kuba ent­fal­ten ihre Wir­kung schnel­ler und dras­ti­scher als erwar­tet. Mit den Groß­ree­de­rei­en Hapag-Lloyd und CMA CGM haben zwei der wich­tigs­ten Akteu­re des welt­wei­ten Con­tai­ner­ver­kehrs von heu­te auf mor­gen ihre Lie­fe­run­gen nach Kuba prak­tisch voll­kom­men ein­ge­stellt. Bei­de Unter­neh­men erklär­ten, bis auf wei­te­res kei­ne Buchun­gen von und nach Kuba mehr anzu­neh­men. Hin­ter­grund ist ein Dekret der US-Regie­rung unter Prä­si­dent Donald Trump vom 1. Mai, das die seit Jahr­zehn­ten bestehen­de Blo­cka­de gegen den sozia­lis­ti­schen Insel­staat erneut dras­tisch ver­schärft und beson­ders den Druck auf Dritt­staa­ten aus­wei­tet. Die fran­zö­si­sche Ree­de­rei CMA CGM und die deut­sche Hapag-Lloyd begrün­den ihre Ent­schei­dung mit den »recht­li­chen Risi­ken« der neu­en US-ame­ri­­ka­­ni­­schen Sank­ti­ons­po­li­tik. Ein Spre­cher von Hapag-Lloyd erklär­te, die Aus­set­zung erfol­ge auf­grund von »Com­­pli­­an­ce-Risi­ken«, die mit der Exe­cu­ti­ve Order des Wei­ßen Hau­ses ver­bun­den sei­en. CMA CGM teil­te mit, man beob­ach­te die Lage und wer­de die eige­nen Ope­ra­tio­nen an die gel­ten­den Vor­schrif­ten anpassen.
Hin­ter der tech­no­kra­ti­schen Spra­che ver­birgt sich die Furcht internationaler
Kon­zer­ne vor emp­find­li­chen Stra­fen, dem Aus­schluss vom US-Markt oder Pro­ble­men im US-Dol­lar-Zah­­lungs­­­ver­­kehr – Für Ree­de­rei­en sind Kon­flik­te mit den US-ame­ri­­ka­­ni­­schen Behör­den existenzgefährdend.
Die Fol­gen die­ser Ent­schei­dung könn­ten für Kuba ver­hee­rend sein. Nach Schät­zun­gen von Bran­chen­in­si­dern und Infor­ma­tio­nen aus dem Umfeld der Ree­de­rei­en sind bis zu 60 Pro­zent des kuba­ni­schen Schiffs­ver­kehrs­auf­kom­mens bedroht. Damit steht nicht weni­ger als die Ver­sor­gung des Lan­des mit einem Groß­teil sei­ner Import­gü­ter auf dem Spiel. Kuba impor­tiert den überwiegenden
Teil sei­ner Lebens­mit­tel, sei­nes Treib­stoffs sowie zahl­rei­cher Kon­­­sum- und Indus­trie­gü­ter. Ein erheb­li­cher Teil die­ser Waren gelangt über inter­na­tio­na­le Con­tai­ner­li­ni­en aus Chi­na und Euro­pa auf die Insel und ist dabei auf Trans­port durch die Ree­de­rei­en angewiesen.
Beson­ders betrof­fen ist daher der Waren­ver­kehr aus Chi­na, das in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu einem wich­ti­gen Han­dels­part­ner Kubas gewor­den ist.
Auch die Han­dels­rou­ten aus Nord­eu­ro­pa und dem Mit­tel­meer­raum wer­den deut­lich ein­ge­schränkt. Die kuba­ni­sche Wirt­schaft befin­det sich auf­grund der jahr­zehn­te­lan­gen US-Blo­ck­a­­de ohne­hin schon in einer tie­fen Kri­se. Die neu­en Ent­wick­lun­gen sor­gen nicht nur für län­ge­re Lie­fer­zei­ten und höhere
Trans­port­kos­ten. Exis­ten­zi­el­le Ver­sor­gungs­zu­sam­men­brü­che bei Lebens­mit­teln, Medi­ka­men­ten und Treib­stoff schei­nen ange­sichts die­ser Ent­wick­lung unvermeidbar.
»Gru­po de Admi­nis­tra­ción Empre­sa­ri­al S. A.« (GAESA) ist das größte
staat­li­che Wirt­schafts­kon­glo­me­rat und wird von den kuba­ni­schen Streit­kräf­ten kon­trol­liert. Es nimmt eine wich­ti­ge Rol­le ein im Tou­ris­mus, der Hafen­lo­gis­tik, bei Ban­ken, Impor­ten und im Ein­zel­han­del. Der Kon­zern wur­de in den 1990er Jah­ren auf­ge­baut und war ein wich­ti­ger Devi­sen­be­schaf­fer für die Wirt­schaft der Insel.

Am 1. Mai die­ses Jah­res ver­schärf­te Trump die Sank­tio­nen gegen Kuba und beleg­te GAESA sowie ver­bun­de­ne Unter­neh­men und Per­so­nen mit weit­rei­chen­den Straf­maß­nah­men. Ent­schei­dend ist beson­ders die extra­ter­ri­to­ria­le Wir­kung der Maß­nah­men: Auch aus­län­di­schen Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Fir­men dro­hen Sank­tio­nen, wenn sie wei­ter­hin mit GAESA koope­rie­ren. Genau die­sem Druck beu­gen sich nun inter­na­tio­na­le Ree­de­rei­en wie Hapag-Lloyd und CMA CGM. Anfang Mai hat­te bereits der kana­di­sche Berg­bau­kon­zern Sher­ritt Inter­na­tio­nal sei­nen Rück­zug aus kubanischen
Nickel­pro­jek­ten angekündigt.

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