Kuba zwi­schen Ban­gen und Hoffen

By Published On: Mai 30, 2026Cate­go­ries: News

Rie­si­ger US-Auf­­­marsch gegen sozia­lis­ti­sche Insel­re­pu­blik. Inmit­ten von Kriegs­dro­hun­gen fei­ert Havan­na medi­zi­ni­schen Durchbruch.

Jun­ge Welt / 30.05.2026 /von Vol­ker Hermsdorf/

Mit einem Wech­sel von Ver­hand­lungs­an­ge­bo­ten und Inva­si­ons­dro­hun­gen ver­su­chen die USA, die Bevölkerung Kubas sys­te­ma­tisch zu zermürben. In einer Anhörung vor der Natio­nal­ver­samm­lung der Volks­macht in Havan­na pran­ger­te die stell­ver­tre­ten­de kuba­ni­sche Außen­mi­nis­te­rin Jose­fi­na Vidal am Don­ners­tag an, dass Washing­ton Vorwände erfin­de, um die sozia­lis­ti­sche Kari­bik­in­sel als Bedro­hung für die natio­na­le Sicher­heit der USA dar­zu­stel­len. »Jeden Tag wächst die Gefahr einer militärischen Aggres­si­on gegen Kuba«, sag­te die Vize­mi­nis­te­rin ange­sichts einer sich zuspit­zen­den Lage, in der wirt­schaft­li­cher Druck und poli­ti­sche Eska­la­ti­ons­rhe­to­rik inein­an­der­grei­fen. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Havan­na und Washing­ton sei zwar nicht abge­bro­chen. Doch kon­kre­te Ergeb­nis­se blie­ben aus, während neue Sank­tio­nen und Einschränkungen das tägliche Leben der Bevölkerung wei­ter belas­te­ten. »Wir haben Grund, an der Ernst­haf­tig­keit und Ver­ant­wor­tungs­be­reit­schaft der US-Regie­rung zu zwei­feln«, so Vidal. Kuba ver­mu­te, dass der Druck Teil einer umfas­sen­den Stra­te­gie sei, die auf poli­ti­schen Umsturz durch wirt­schaft­li­che Erschöpfung ziele.

Während US-Außen­­mi­­nis­­ter Mar­co Rubio am Mitt­woch ver­brei­te­te, er erwar­te, dass der Dia­log zu einem »guten Ergeb­nis« führe, sind Washing­tons Inva­si­ons­vor­be­rei­tun­gen laut Berich­ten der US-Por­­ta­­le Axi­os und Poli­ti­co offen­bar bereits weit gedie­hen. In inter­nen Plan­spie­len sei von einem »stu­fen­wei­sen Vor­ge­hen« die Rede, das auf die Desta­bi­li­sie­rung der kuba­ni­schen Führung und mögliche Reak­tio­nen im Kri­sen­fall zielt. Laut einem Axi­os-Bei­­trag von Don­ners­tag exis­tie­ren kon­kre­te Einsatzpläne für den Fall eines »Zusam­men­bruchs der kuba­ni­schen Führung«. Poli­ti­co hat­te am Mitt­woch berich­tet, das Pen­ta­gon habe dafür mona­te­lang Trup­pen und Waf­fen­sys­te­me in Stel­lung gebracht – die größte Marinepräsenz welt­weit außer­halb des Nahen Ostens. Nur die endgültige Zustim­mung Donald Trumps feh­le noch. Der bestrei­tet zwar kon­kre­te Pla­nun­gen für eine Inva­si­on, hat die­se Möglichkeit aber den­noch mehr­fach ins Spiel gebracht.

Unabhängig vom Wech­sel­spiel aus Dia­log und Dro­hun­gen, das vor allem wohl der psy­cho­lo­gi­schen Kriegführung dient, setzt Washing­ton auf sys­te­ma­ti­sche Zermürbung. Seit Janu­ar blo­ckie­ren die USA sämtliche Treib­stoff­im­por­te. Der Gene­ral­di­rek­tor der Unión Eléctrica, Rubén Cam­pos Olmo, beschrieb die Fol­gen am Mitt­woch in der TV-Sen­­dung »Mesa Redon­da« als »ver­hee­rend«: 1.300 bis 1.400 Mega­watt Leis­tung feh­len der­zeit – mehr als die Hälfte der nächtlichen Erzeugungskapazität. Stromausfälle von bis zu 20 Stun­den legen das öffentliche Leben lahm. Beson­ders dra­ma­tisch trifft die Ener­gie­kri­se jetzt auch die Was­ser­ver­sor­gung. Anto­nio Rodríguez, Präsident des Natio­na­len Insti­tuts für Was­ser­res­sour­cen, erklärte, der Sek­tor arbei­te mit nur 37 Pro­zent des benötigten Treib­stoffs. 2,7 Mil­lio­nen Kubaner

sei­en bereits von Was­ser­knapp­heit betrof­fen. Vie­le Stadt­tei­le Havan­nas wer­den nur noch unregelmäßig mit Tank­wa­gen beliefert.

Doch inmit­ten von Blo­cka­de und Ver­sor­gungs­kri­se set­zen kuba­ni­sche Wis­sen­schaft­ler auch ein Zei­chen der Hoff­nung, indem sie einen neu­ar­ti­gen the­ra­peu­ti­schen Impf­stoff­kan­di­da­ten gegen Krebs ent­wi­ckel­ten. Das Präparat mit dem Namen HEBER­Sa­Vax wird als akti­ve Immun­the­ra­pie beschrie­ben, die das Abwehr­sys­tem gezielt gegen Tumor­zel­len mobi­li­sie­ren soll. Es regt zur Bil­dung spe­zi­fi­scher Antikörper an und unter­bricht zugleich die Blut­ver­sor­gung des Tumors. In kli­ni­schen Stu­di­en der soge­nann­ten Pha­se II zei­gen Pati­en­ten mit Darm‑, Nieren‑, Leber- und Eier­stock­krebs deut­li­che Ver­bes­se­run­gen ihrer Lebensqualität. Präsident Miguel Díaz-Canel gra­tu­lier­te dem For­scher­team zur Ent­wick­lung des welt­weit ein­zig­ar­ti­gen the­ra­peu­ti­schen Impf­stoff­kan­di­da­ten gegen Krebs. Für Kuba ist dies zugleich ein poli­ti­sches Signal: Auch unter Bedin­gun­gen äußerer Restrik­tio­nen bleibt das Land in der Lage, eige­ne tech­no­lo­gi­sche und medi­zi­ni­sche Wege zu gehen – dank des Erfin­dungs­reich­tums und der Wider­stands­kraft sei­ner Menschen.

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