Nächs­tes Ziel Kuba

By Published On: März 30, 2026Cate­go­ries: News

Jun­ge­Welt: 30.03.2026:

Havan­na: Letz­te Boo­te der inter­na­tio­na­len Hilfs­flot­te errei­chen Insel. US-Präsident und Außen­mi­nis­ter verstärken Drohungen 

//Volker Hermsdorf//

Auch »Fri­end­ship« und »Tiger Moth« haben ihr Ziel erreicht: Am Sonn­abend lie­fen die bei­den in Mexi­ko gestar­te­ten und vorübergehend als ver­misst gemel­de­ten Segel­schif­fe – als letz­te Boo­te des inter­na­tio­na­len Solidaritätskonvois »Nues­tra América« – in den Hafen von Havan­na ein. Die Flot­til­le war von Akti­vis­ten aus ver­schie­de­nen Ländern nach dem Vor­bild der Gaza-Hilfs­­­flo­t­­te orga­ni­siert wor­den, die im ver­gan­ge­nen Jahr ver­sucht hat­te, die israe­li­sche See­blo­cka­de des Gaza­strei­fens zu durch­bre­chen. Einen Tag zuvor war das Logis­tik­schiff »Huas­te­co« der mexi­ka­ni­schen Mari­ne mit einer vier­ten Hilfs­lie­fe­rung aus dem Nach­bar­land eingetroffen.

Am sel­ben Tag hat­te Donald Trump in Miami neue Dro­hun­gen gegen die Bevölkerung der sozia­lis­ti­schen Insel­re­pu­blik aus­ge­spro­chen. In sei­ner Rede auf einem Tref­fen der sau­di­ara­bi­schen Future Invest­ment Initia­ti­ve erklärte der US-Präsident, dass Kuba nach Vene­zue­la und Iran das nächste Land sei, das sich die USA vorknöpfen würden. Außen­mi­nis­ter Mar­co Rubio sekun­dier­te aus Paris vom Ran­de eines Tref­fens der G7-Staa­­ten mit der Aus­sa­ge, jetzt sei »der rich­ti­ge Zeit­punkt« für einen poli­ti­schen Wan­del in Kuba, um dort »die Per­so­nen an der Macht« abzulösen.

Trumps Ver­bal­at­ta­cke war nicht die ers­te Andro­hung militärischer Gewalt und erfolg­te, obwohl das Pen­ta­gon kon­kre­te Inva­si­ons­vor­be­rei­tun­gen demen­tiert und der Chef des US-Südkommandos, Fran­cis Dono­van, ver­si­chert hat, es gäbe »kei­ne Pläne zur Ein­nah­me der Insel«. Beim Auf­tritt des Präsidenten und zugleich Ober­be­fehls­ha­bers der US-Streitkräfte vor sau­di­schen Geschäftsleuten klang das am Frei­tag anders. »Wir haben nicht nur Isra­el geret­tet, wir haben den gesam­ten Nahen Osten geret­tet«, erklärte er zum Angriffs­krieg gegen Iran. »Manch­mal muss man militärische Gewalt anwen­den, und Kuba ist das nächste Ziel«, fügte er laut Tele­sur hinzu.

Nahe­zu par­al­lel verkündete sein Außen­mi­nis­ter Mar­co Rubio: »Kubas Wirt­schaft muss sich ändern, aber sie kann sich nicht ändern, solan­ge sich das Regie­rungs­sys­tem nicht ändert. Wer wird Mil­li­ar­den von Dol­lar in ein Land inves­tie­ren, das von inkom­pe­ten­ten Kom­mu­nis­ten regiert wird?« Die USA würden den Kuba­nern jetzt dabei hel­fen, »ins 21. Jahr­hun­dert zu gelan­gen«, sag­te er. Rubio fügte hin­zu, dass alle Infor­ma­tio­nen über Gespräche zwi­schen Washing­ton und Havan­na, die nicht direkt von ihm oder Trump stam­men, falsch sei­en: »Jeder Bericht über Kuba, der nicht von mir oder vom Präsidenten stammt, ist eine Lüge«, erklärte er.

Dies war offen­bar eine Reak­ti­on auf Kubas Präsidenten Miguel Díaz-Canel, der Ende ver­gan­ge­ner Woche ver­si­chert hat­te, ein Dia­log über wirt­schaft­li­che Koope­ra­tio­nen auch mit US-Akteu­­ren sei möglich, doch Souveränität, Unabhängigkeit und das poli­ti­sche Sys­tem Kubas stünden nicht zur Dis­kus­si­on. Außen­mi­nis­ter Bru­no Rodríguez kri­ti­sier­te in einer Replik auf Rubio, die USA woll­ten mit der­ar­ti­gen Äußerungen davon ablen­ken, dass sie allein für die der­ar­ti­ge Kri­se in Kuba ver­ant­wort­lich sei­en. Washing­ton ver­su­che, Ver­wir­rung zu stif­ten, indem die Exis­tenz der tota­len Blo­cka­de von Treib­stoff­lie­fe­run­gen an Kuba, Sank­ti­ons­dro­hun­gen gegen Drittländer und ausländische Unter­neh­men sowie feind­se­li­ge Hand­lun­gen gegen Tank­schif­fe geleug­net würden. »Sie lügen scham­los und wider­spre­chen ihren eige­nen Erklärungen, Durchführungsverordnungen und Hand­lun­gen«, schrieb Rodríguez auf X.

Bereits vor den jüngsten Dro­hun­gen von Trump und Rubio hat­te Kubas Vize­au­ßen­mi­nis­ter Car­los Fernández de Cossío erklärt, dass sich die Streitkräfte des Lan­des auf eine mögliche militärische Aggres­si­on der USA vor­be­rei­te­ten. Dazu pas­send veröffentlichte die mexi­ka­ni­sche Tages­zei­tung La Jor­na­da am Sonn­abend auf ihrer Titel­sei­te ein Inter­view mit Lie­der­ma­cher Sil­vio Rodríguez, in dem die­ser erklärte: »Ein gro­ßer Teil unse­res Vol­kes ist bereit, unse­re Souveränität mit Waf­fen zu verteidigen.«