Tan­ker trotzt US-Blockade

By Published On: März 31, 2026Cate­go­ries: News

(31.03.2026:Tageszeitung jun­ge Welt von Vol­ker Hermsdorf)

Der rus­si­sche Tan­ker »Ana­to­li Kolod­kin« hat die See­blo­cka­de der USA um Kuba durch­bro­chen. Das mit Rohöl bela­de­ne Schiff erreich­te die Insel am Mon­tag und war­tet im Hafen von Mat­anz­as auf sei­ne Ent­la­dung. Es ist die ers­te Lie­fe­rung, seit die US-Regie­rung Vene­zue­la und Mexi­ko vor drei Mona­ten gezwun­gen hat­te, ihre Treib­stoff­trans­por­te nach Kuba kom­plett einzustellen.

Wie das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um in Mos­kau am Mon­tag mit­teil­te, trans­por­tiert die »Ana­to­li Kolod­kin« etwa 730.000 Bar­rel Öl, das als humanitäre Hil­fe dekla­riert ist. Die Ladung war Anfang März vom rus­si­schen Ost­see­ha­fen Pri­morsk aus ver­schifft wor­den. Während der Durch­fahrt durch den Ärmelkanal wur­de der Tan­ker von einem Kriegs­schiff der Rus­si­schen Föderation eskor­tiert, bevor er eigenständig sei­ne Rou­te über den Atlan­tik in die Kari­bik fort­setz­te. Ob ein zwei­ter Trans­port mit rund 190.000 Bar­rel Die­sel aus Russ­land die Insel eben­falls errei­chen wird, ist der­zeit unklar. Die »Sea Hor­se«, ein unter Hong­kon­ger Flag­ge fah­ren­der Tan­ker, hat­te in der ver­gan­ge­nen Woche zunächst Tri­ni­dad und Toba­go ange­steu­ert und schließ­lich Kurs auf Vene­zue­la genommen.

Am Wochen­en­de hat­te ein US-Beam­­ter gegenüber der New York Times ver­si­chert, die US- Küstenwache wer­de der unter rus­si­scher Flag­ge fah­ren­den »Ana­to­li Kolod­kin« die Durch­fahrt trotz der von Washing­ton ange­ord­ne­ten See­blo­cka­de nicht ver­weh­ren. Trump selbst spiel­te den Vor­gang an Bord der Air Force One gegenüber Jour­na­lis­ten her­un­ter. »Es ist uns egal, ob jemand eine Ladung erhält, denn sie brau­chen sie, sie müssen überleben«, sag­te er. Gleich­zei­tig erklärte Trump, die Ankunft des Tan­kers wer­de »kei­ner­lei Aus­wir­kun­gen haben«, da Kuba so oder so »am Ende« sei. Am Frei­tag hat­te er während einer Rede bei einem Tref­fen der Sau­di Ara­bi­schen »Future Invest­ment Initia­ti­ve« in Miami noch gedroht, dass Kuba nach den Militäroperationen in Vene­zue­la und im Iran das nächste Land sei, das sich die USA vor­neh­men würden.

Für die kuba­ni­sche Bevölkerung kommt die Lie­fe­rung zu einem kri­ti­schen Zeit­punkt. Das Land hat seit dem 9. Janu­ar kein Öl mehr erhal­ten. Seit­dem legen insel­wei­te Stromausfälle das öffentliche Leben lahm, der Ver­kehr ist stark eingeschränkt und selbst grund­le­gen­de Dienst­leis­tun­gen sind immer begrenz­ter. Krankenhäuser müssen den Betrieb redu­zie­ren, medi­zi­ni­sche Geräte ste­hen zeit­wei­se still. Beson­ders schwer trifft Trumps Blo­cka­de chro­nisch Kran­ke und Kin­der, auch die Ver­sor­gung von Krebs­pa­ti­en­ten ist ernst­haft gefährdet.

Exper­ten zufol­ge könnte die jetzt ein­ge­trof­fe­ne Lie­fe­rung des rus­si­schen Rohöls in etwa 250.000 Bar­rel Die­sel umge­wan­delt wer­den – mit Einschränkungen reicht das gera­de, um den täglichen Bedarf für knapp zwei Wochen zu decken. Doch in einer Situa­ti­on, in der jeder Liter Treib­stoff über das Funk­tio­nie­ren von Krankenhäusern, Schu­len und lebens­wich­ti­ger Infra­struk­tur ent­schei­det, ist selbst die­se zeit­lich begrenz­te Ent­las­tung von gro­ßer Bedeu­tung. Mos­kaus Außen­mi­nis­ter Ser­gej Law­row hat­te Kuba in der ver­gan­ge­ne Woche des­halb wei­te­re Solidarität zuge­si­chert. Auch der Spre­cher des rus­si­schen Präsidenten, Dmi­t­ri Pes­kow, bekräftigte, dass Russ­land bereit sei, »jede nur mögliche Hil­fe« zu leisten.

Dabei ste­hen Russ­lands Ölhäfen selbst unter Beschuss. Der Hafen Pri­morsk, von dem das Rohöl für Kuba ver­schifft wur­de, war weni­ge Tage nach dem Aus­lau­fen des Tan­kers Ziel eines ukrai­ni­schen Droh­nen­an­griffs. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag setz­te Kiew die Angrif­fe fort. Ukrai­ni­sche Militärs erklärten, ihr Ziel sei es, Russ­lands Exportmöglichkeiten von Treib­stoff und Erdölprodukten zu schwächen. Das könnte sich auch auf die Möglichkeiten aus­wir­ken, Kubas Bevölkerung wei­ter zu unterstützen.

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