Gefahr des guten Beispiels

By Published On: April 14, 2026Cate­go­ries: News

13.04.2026:  (Tages­zei­tung jun­ge Welt von Arnold Schölzel)

Donald Trump hat das von Isra­el in Gaza prak­ti­zier­te Ver­bre­chen, ein Volk aus­zu­hun­gern, auf Kuba aus­ge­dehnt. Die westeuropäischen Staa­ten hel­fen hier wie dort. Der Schwei­zer Krebs­for­scher und Präsident der medi­zi­ni­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Medi­­cu­­ba-Euro­­pa Fran­co Caval­li erklärte am Sonn­abend in Ber­lin, die­se Poli­tik tra­ge »geno­zi­da­le Züge«. Er sag­te das während der von jW und Melo­die & Rhyth­mus vor der Ver­lei­hung des Rosa-Luxe­m­­burg-Prei­­ses an Alei­da Gue­va­ra im Kino »Baby­lon« orga­ni­sier­ten Solidaritätskonferenz zur Lage in Kuba.

Deren drei Vorträge und die von jW-Che­f­­re­­dak­­teur Nick Brauns gelei­te­te Podi­ums­dis­kus­si­on stan­den letzt­lich unter des­sen Fra­ge: »Wovor haben die USA Angst?« Die Ant­wor­ten waren unter­schied­lich, hat­ten aber einen gemein­sa­men Nen­ner: Kubas Bevölkerung lebt nicht nur in einer soli­da­ri­schen Gesell­schaft, das Land hat immer wie­der medi­zi­ni­sche, pädagogische und militärische Solidarität geleis­tet – von der Unterstützung des alge­ri­schen Befrei­ungs­kamp­fes unmit­tel­bar nach der Revo­lu­ti­on von 1959 bis zur Hil­fe in der Coro­na­pan­de­mie für Ita­li­en zu Beginn die­ses Jahrzehnts.

Aus­gangs­punkt für die drei Refe­ren­ten der Kon­fe­renz – die kuba­ni­sche Jour­na­lis­tin Liz Oli­va Fernández, die jW-Kor­­re­s­pon­­den­­tin Julie­ta Daza aus Vene­zue­la sowie der spa­ni­sche Publi­zist und Medi­en­wis­sen­schaft­ler Igna­cio Ramo­net – war die gegenwärtige Lage Kubas: Sie sei die dra­ma­tischs­te und gefährlichste seit der Revo­lu­ti­on 1959. Fernández stell­te das 2020 gegründete und pri­vat finan­zier­te kuba­ni­sche Medi­en­kol­lek­tiv Bel­ly of the Beast (Bauch der Bes­tie) vor, das dem täglichen Trom­mel­feu­er konterrevolutionärer Sen­der »unerzählte Geschich­ten aus Kuba« visu­ell entgegenhält, etwa die kon­kre­ten Fol­gen der Sank­tio­nen: Für den Jun­gen, der durch Krank­heit bei­de Bei­ne ver­lor, aber nun kei­ne fle­xi­blen Pro­the­sen erhal­ten kann. Sie sind zwar aus deut­scher Pro­duk­ti­on, ent­hal­ten aber einen Anteil von mehr als zehn Pro­zent aus US-Pro­­duk­­ti­on. Deutsch­land unter­wirft sich der US-Bestim­­mung, das fal­le unters Embar­go. Oder der Fahr­rad­ta­xi­fah­rer, der in der Ener­gie­blo­cka­de, die schon seit 2020 andau­ert, kei­ne Kun­den mehr hat, weil sie ent­we­der zu Hau­se blei­ben müssen oder in ihren Arbeitsstätten übernachten. Die Aus­wei­tung der Sank­ti­ons­dro­hun­gen, so Fernández, gegen alle Staa­ten, die mit Kuba Han­del trei­ben wol­len, sei »ein Todes­ur­teil für die inter­na­tio­na­len Beziehungen«.

Daza stell­te ihr per Video aus Cara­cas übertragenes Refe­rat unter den Satz des kuba­ni­schen Revolutionärs José Mar­tí (1853–1895): »Patría es huma­ni­dad« (Vater­land oder Hei­mat ist Mensch­heit). Sie lebe seit 18 Jah­ren in Vene­zue­la und wis­se, dass die sozia­len Errun­gen­schaf­ten der Boli­va­ri­schen Revo­lu­ti­on ohne Kuba nicht möglich gewe­sen sei­en. Kuba­ni­sche Ärzte hätten die medi­zi­ni­schen Zen­tren in den ärmsten Stadt­vier­teln von Cara­cas auf­ge­baut und demons­triert, was es bedeu­tet, wenn Gesund­heit ein Recht und nicht ein Geschäft ist. Vene­zue­la habe die Coro­na­pan­de­mie nur mit Hil­fe Kubas überstanden, der Analpha­be­tis­mus sei nach dem Vor­bild der kuba­ni­schen Akti­on »Yo si puedo« (Ja, ich kann es!) schon 2005 überwunden wor­den. Nie ver­ges­sen wer­de sie, wie vie­le Haus­hal­te Vene­zue­las erst­mals durch die kuba­ni­sche Fami­li­en­bi­blio­thek »Unser Ame­ri­ka« Bücher erhiel­ten. Für den US-Impe­ria­­lis­­mus sei­en sol­che »bösen Vor­bil­der« nie hin­nehm­bar gewe­sen. Seit dem 3. Janu­ar, der US-Militäraktion und der Entführung von Präsident Nicolás Madu­ro und sei­ner Frau Cilia Flo­res, droh­ten die USA mit einer neu­en Inter­ven­ti­on und setz­ten eine neo­ko­lo­nia­le Poli­tik durch. Sie ent­sprin­ge dem kapi­ta­lis­ti­schen Welt­sys­tem, das mit sei­ner irra­tio­na­len Gier die Mensch­heit bedrohe.

Ramo­net pran­ger­te an, dass vie­le Staa­ten der Welt zu den Dro­hun­gen Trumps gegen Kuba schwie­gen. Die Solidaritätsbewegung für Kuba müsse die Regie­run­gen dazu brin­gen, das Land zu unterstützen. Der Red­ner erin­ner­te dar­an, dass die militärische Solidarität der Revo­lu­ti­on nie abge­ris­sen sei – von Alge­ri­en über Viet­nam bis zur Befrei­ung Ango­las, Nami­bi­as und der Been­di­gung des Apart­heid­re­gimes in Südafrika. Kein ande­res Land sei nach Afri­ka gegan­gen, um zu befrei­en. Zudem habe Kuba gan­ze Länder alpha­be­ti­siert und mehr als einer Mil­li­ar­de Men­schen medi­zi­ni­sche Hil­fe geleis­tet. Kein ande­res Land habe so vie­len Frei­heit, Unabhängigkeit, Wis­sen und Gesund­heit gebracht. Er fass­te zusam­men: »Ein klei­nes Land, aber eine Welt­su­per­macht der Solidarität.«

Das Bei­spiel sei für die USA und ihre Verbündeten eine »Gefahr«, hieß es in der fol­gen­den Podi­ums­dis­kus­si­on. Sie wird demnächst in jW dokumentiert.

https://www.jungewelt.de/artikel/520780.kuba-solidarität‑gefahr-des-guten-beispiels.html