»Auf­ge­ben? Nein, das ist unmöglich.«

By Published On: April 14, 2026Cate­go­ries: News

13.04.2026: (Tages­zei­tung jun­ge Welt von Hagen Bonn)

»Es gibt kein Übel, das hun­dert Jah­re dau­ert, noch einen Körper, der es ertra­gen kann« – Die Revo­lu­ti­on auf Kuba behaup­tet sich seit 67 Jah­ren gegen das impe­ria­le Übel aus Washing­ton und das zitier­te kuba­ni­sche Sprich­wort ver­weist nüchtern auf die aktu­el­le Situa­ti­on des Lan­des. Des­we­gen gilt es heu­te Kuba zu würdigen, Kuba zu fei­ern, die Solidarität mit Kuba zu stärken. Die über sechs­hun­dert Besu­cher im gro­ßen Saal des Ber­li­ner Kino Baby­lon konn­ten am Sonn­abend nach­mit­tag star­ke Vorträge und ein inter­es­san­tes Podiumsgespräch ver­fol­gen, Müdigkeit woll­te nicht auf­kom­men. Die »Solidaritätskonferenz zur Lage in Kuba« – nun­mehr mode­riert von der Sängerin und Schau­spie­le­rin Gina Pietsch näherte sich ihrem Höhepunkt: der Ver­lei­hung des Rosa- Luxe­m­­burg-Prei­­ses an die kuba­ni­sche Kinderärztin Alei­da Gue­va­ra für ihr prak­ti­sches inter­na­tio­na­lis­ti­sches Wir­ken und stell­ver­tre­tend für das widerständige Volk Kubas.

Doch zuerst erin­ner­te Melo­die & Rhyth­­mus-Che­f­­re­­dak­­teu­rin Susann Witt-Stahl an einen, »der heu­te fehlt«: den gro­ßen Rolf Becker, ers­ter Träger des Rosa-Luxe­m­­burg-Prei­­ses im ver­gan­ge­nen Jahr, der im Dezem­ber 2025 ver­starb. Der Schau­spie­ler, Gewerk­schaf­ter und Kom­mu­nist war vie­len auch wegen sei­nes Enga­ge­ments für Kuba bekannt. Die »Befrei­ung der Kunst vom Waren­cha­rak­ter« war für ihn eine der sicht­bars­ten sozia­lis­ti­schen Errun­gen­schaf­ten des Landes.

Den Lebens­weg Alei­da Gue­va­ras, die gleich ihrem Vater Ernes­to »Che« Gue­va­ra Medi­zin stu­diert hat­te, zeich­ne­te Enri­que Ubieta nach. Der Direk­tor der kuba­ni­schen Kul­tur­zeit­schrift Revolución y Cul­tu­ra, begann mit einer Epi­so­de, die »typisch« sei: Alei­da kam in ein Dorf, um – das war ihre Arbeit – Kin­der medi­zi­nisch zu ver­sor­gen. Aber zuerst stell­te sie für die Umste­hen­den klar, dass dies kein Pres­se­ter­min sei. Sie wol­le nicht, dass darüber berich­tet wer­de. Die erober­ten »Frei­hei­ten in Kuba müssen ver­tei­digt wer­den«, mahn­te Ubieta an.

Der Schwei­zer Fran­co Caval­li, Arzt und Vize­vor­sit­zen­der der Solidaritätsorganisation Medi­cu­ba, beschrieb als Fach­mann, wel­che Her­ku­les­ar­beit das klei­ne Land von Anbe­ginn auf dem Gebiet der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung geleis­tet habe. Kuba sei in den 80er Jah­ren trotz der auch damals schon bestehen­den Blo­cka­de ein »glückliches Land« gewe­sen. Sein Ruf nach Solidarität mit Kuba wur­de durch Sprechchöre aus dem Publi­kum mitgetragen.

Bel­ly oft the Beast, eine Medi­en­platt­form aus kuba­ni­schen und US-ame­ri­­ka­­ni­­schen Jour­na­lis­ten und Fil­me­ma­chern, präsentierte einen Aus­schnitt aus einem Film mit Alei­da Gue­va­ra. Wir erle­ben sie und ihre Ansich­ten. Das Feu­er, die Klar­heit in den Gedan­ken: Hit­ze, Stromausfälle, und die Grin­gos lau­ern über Kuba. Aber der Kampf des Vol­kes ist alter­na­tiv­los: »Was sol­len wir tun? Auf­ge­ben? Nein, das ist unmöglich.«

Die Übergabe des Prei­ses – eine vom Bild­hau­er Rolf Biebl geschaf­fe­ne Rosa-Luxe­m­­burg-Sta­­tu­e­t­­te – an Gue­va­ra wur­de mit minu­ten­lan­gem Applaus und Sprechchören im Saal gefei­ert. Dann erhob die Preisträgerin ihre Stim­me, doch nicht um zu spre­chen. Nun fei­er­te sie die Ver­an­stal­tung, die ihr zu Ehren und zu Ehren ihres Vol­kes abge­hal­ten wur­de, und sang »Gra­ci­as a la vida« (Dank an das Leben). Das Lied der chi­le­ni­schen Künstlerin Vio­le­ta Par­ra erfüllte den Saal und, das darf nicht ver­schwie­gen wer­den, die Her­zen aller darin.

Die Ver­lei­hung des Rosa-Luxe­m­­burg-Prei­­ses der Tages­zei­tung jun­ge Welt und des Kul­tur­ma­ga­zins Melo­die & Rhyth­mus an Alei­da Gue­va­ra und das tap­fe­re kuba­ni­sche Volk klang zum Schluss mit Gitar­ren­kunst und kräftiger Stim­me aus: Der wun­der­ba­re Lie­der­ma­cher Nicolás Miquea ließ nichts offen, als er ankla­gend sang »Wenn das Impe­ri­um von Frie­den redet …«.

https://www.jungewelt.de/artikel/520779.rosa-luxemburg-preis-aufgeben-nein-das-ist- unmöglich.html

Alei­da Gue­va­ras an der Preisverleihung: