Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter und Stär­kung der Frau­en In Cuba

By Published On: Sep­tem­ber 17, 2026Cate­go­ries: Eman­zi­pa­ti­on

Frau­en haben seit jeher eine bedeu­ten­de Rol­le in der cuba­ni­schen Revo­lu­ti­on ein­ge­nom­men, beson­ders auch beim Auf­bau einer gerech­ten Gesellschaft.

Die­ser Text gibt einen Über­blick über die Errun­gen­schaf­ten in Bezug auf Gen­der­ge­rech­tig­keit.          In den 1960er Jah­ren, kurz nach dem Sieg der Revo­lu­ti­on, wur­de gesetz­lich fest­ge­legt, dass Män­ner und Frau­en den glei­chen Lohn erhal­ten. Dar­über hin­aus wur­de den Frau­en das Recht auf sexu­el­le und repro­duk­ti­ve Selbst­be­stim­mung garan­tiert, ein­schliess­lich des Anspruchs auf einen selbst­be­stimm­ten, kos­ten­lo­sen Schwangerschaftsabbruch.

In die­se Zeit fällt auch die Grün­dung der Kuba­ni­schen Frau­en­fö­de­ra­ti­on (FMC) und die akti­ve Ein­bin­dung der Frau­en in den Komi­tees zur Ver­tei­di­gung der Revo­lu­ti­on (CDR). Zudem ent­stand die Zeit­schrift „Muje­res“.

Das Fami­li­en­ge­setz von 1975 legt fest, dass Frau­en und Männer in glei­chem Aus­mass für Haus- und Fami­li­en­ar­beit zuständig sind. Flächendeckende, kos­ten­lo­se Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen und Ganz­ta­ges­schu­len ermöglichen es Frau­en und Männern glei­cher­mas­sen, einer Lohn­ar­beit nachzugehen.

In den 80er Jah­ren ent­wi­ckel­te sich eine neue Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie. Dabei wur­den die Mili­zen als Fun­da­ment der Lan­des­ver­tei­di­gung deut­lich aus­ge­wei­tet, und Frau­en nah­men zu glei­chen Tei­len dar­an teil.

Gleich­zei­tig wur­den inter­na­tio­na­lis­ti­sche Mis­sio­nen ver­stärkt, die sich auf Alpha­be­ti­sie­rung und Gesund­heits­ver­sor­gung kon­zen­trier­ten. Auch hier mach­ten Frau­en etwa die Hälf­te der Betei­lig­ten aus.

Mit der Grün­dung des Natio­na­len Zen­trums für Sexu­al­erzie­hung (CENESEX) im Jahr 1988 ent­stand eine bedeu­ten­de Insti­tu­ti­on, die sich für die Rech­te von LGBTIQ+-Personen ein­setzt. Dar­über hin­aus enga­giert sich das Zen­trum gegen geschlech­ter­spe­zi­fi­sche Gewalt und wid­met sich der Prä­ven­ti­on von häus­li­cher Gewalt.

Ein bezahl­ter Mut­ter­schafts­ur­laub von 18 Wochen wur­de im Jahr 2003 gesetz­lich ver­an­kert. Danach erhal­ten die Mut­ter oder der Vater, die sich für die Kin­der­be­treu­ung ent­schei­den, bis zum ers­ten Geburts­tag des Kinds 60 Pro­zent ihres Loh­nes – eine Leis­tung, die an die Gross­el­tern abge­tre­ten wer­den kann. Danach besteht das Anrecht auf drei Mona­te unbe­zahl­ten Elternurlaub.

2021 trat das neue Gleich­stel­lungs­ge­setz „Natio­na­ler Plan zur Frau­en­för­de­rung“ in Kraft, das sie­ben zen­tra­le Auf­ga­ben­be­rei­che umfasst: öko­no­mi­sches Empower­ment, das ins­be­son­de­re die Stär­kung von Frau­en in der Land­wirt­schaft und im Pri­vat­sek­tor för­dert, Medi­en- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­po­li­tik, Bil­dungs­ge­rech­tig­keit, den Zugang zu Füh­rungs­po­si­tio­nen, Gesund­heit sowie die Ein­rich­tung einer Beob­ach­tungs­stel­le für geschlechts­spe­zi­fi­sche Gewalt.

2022 wur­de ein sehr fort­schritt­li­ches Neu­es Fami­li­en­ge­setz in einer Volks­ab­stim­mung ange­nom­men. Die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe wur­de lega­li­siert. Als Fami­lie mit glei­chen Rech­ten gilt jetzt jede in einem Haus­halt zusam­men­le­ben­de Grup­pe von Men­schen, unab­hän­gig von sexu­el­ler Ori­en­tie­rung oder Geschlecht; unab­hän­gig auch davon, ob durch Bluts­ver­wandt­schaft oder Freund­schaft ver­bun­den. Auch die allein­er­zie­hen­de Mut­ter und ihr(e) Kind(er) sind eine Fami­lie. Das Recht auf Adop­ti­on gilt für alle. Gleich­zei­tig wur­den die Rech­te von Kin­dern, Her­an­wach­sen­den sowie von älte­ren Per­so­nen und Men­schen mit Beein­träch­ti­gung gestärkt. Das neue Gesetz opti­miert die Leit­li­ni­en der sexu­el­len und repro­duk­ti­ven Rech­te und baut den Schutz für Opfer von häus­li­cher Gewalt aus.

Im Mai 2025 ent­schied der Minis­ter­rat, den per­sön­li­chen Betreu­ungs­dienst für Fami­li­en mit schwer­be­hin­der­ten Kin­dern künf­tig als aner­kann­ten Beruf zu ver­gü­ten. Das bedeu­tet, dass Müt­ter, Väter, Gross­el­tern, sowie wei­te­re Ver­wand­te oder Betreu­ungs­per­so­nen, die sich um schwer­be­hin­der­te Kin­der küm­mern, Anspruch auf die­se neue Rege­lung haben.
Cuba zählt laut den Ver­ein­ten Natio­nen zu den Län­dern mit der gröss­ten weib­li­chen Reprä­sen­tanz in wirt­schaft­li­chen, gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Institutionen.

Laut aktu­el­len Sta­tis­ti­ken in Cuba (Onei) stel­len Frau­en 48 % der Gesamt­be­schäf­tig­ten im zivi­len Lohn­ar­beits­sek­tor und in den Hoch­schu­len sind Frau­en mit 62% ver­tre­ten. Mehr als 70 % sind Berufs­rich­te­rin­nen und Staats­an­wäl­tin­nen. Der Anteil der cuba­ni­schen Frau­en im Par­la­ment beträgt 53,22 % und im Staats­rat 47,6 %. Die Zah­len zei­gen, dass cuba­ni­sche Frau­en auf vie­len Ebe­nen des Lan­des eine wich­ti­ge Rol­le spie­len. Den­noch zäh­len sie auf den höchs­ten Ent­schei­dungs­ebe­nen oft nicht zu den Haupt­ak­teu­rin­nen. So wer­den etwa von den 199 wis­sen­schaft­li­chen For­schungs­zen­tren des Lan­des 48 von Frau­en gelei­tet, was einem Anteil von 24 % ent­spricht, obwohl Frau­en 67,2 % der Fach­kräf­te und Techniker*innen und 78,5 % der Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen aus­ma­chen. Aus­ser­dem sind spe­zi­ell im Bereich Wis­sen­schaft und Tech­no­lo­gie 53 Pro­zent des For­schungs­per­so­nals Frauen.

Die poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on in den Stadt­vier­teln wird meist von Frau­en direkt in den Mas­sen­or­ga­ni­sa­tio­nen aus­ge­übt, aber wie sieht es mit der Par­ti­zi­pa­ti­on und Ent­schei­dungs­fin­dung auf höchs­ter poli­ti­scher Ebe­ne aus? Es zeigt sich klar, dass Frau­en in den meis­ten füh­ren­den Posi­tio­nen sel­ten im Mit­tel­punkt ste­hen. So sind etwa Frau­en im Polit­bü­ro der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Cubas deut­lich unter­re­prä­sen­tiert. Die Ana­ly­se des Minis­ter­rats zeigt, dass es neben dem Minis­ter­prä­si­den­ten sechs stell­ver­tre­ten­de Minis­ter­prä­si­den­ten gibt, von denen ledig­lich Inés María Chap­man eine Frau ist. Von der Gesamt­zahl der Minis­ter (25), die bereits erwähn­ten stell­ver­tre­ten­den Minis­ter­prä­si­den­ten nicht mit­ge­rech­net, sind nur sie­ben Frau­en. In den 15 Pro­vin­zen Kubas wur­den ins­ge­samt elf Gou­ver­neu­re und vier Gou­ver­neu­rin­nen gewählt. Zudem gibt es elf weib­li­che und vier männ­li­che Vize­gou­ver­neu­re. Trotz erheb­li­cher Fort­schrit­te gibt es nach wie vor eini­ge Her­aus­for­de­run­gen, die bewäl­tigt wer­den müs­sen, bis die voll­stän­di­ge Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern in Kuba erreicht ist.

Text: Cuba Soli­da­ri­tät Vil­ma Espín Zürich-Ost­­schweiz, 2026