»Vor allem brau­chen wir Kuba«

By Published On: Sep­tem­ber 14, 2026Cate­go­ries: News

Jun­ge Welt / 14.09.2026 /Von Kim Chi Luu/

Auf­takt der einwöchigen Pro­test­wa­che »No War on Cuba« in Ber­lin. Kri­tik an Blo­cka­de und Berichterstattung.

Mit Fahrrädern, Trans­pa­ren­ten und Musik wur­de am Sonn­abend in Ber­lin Solidarität mit dem sozia­lis­ti­schen Kuba gezeigt – der Beginn einer einwöchigen Pro­test­wa­che des Bündnisses »Unblock Cuba«, an der sich mehr als 50 Orga­ni­sa­tio­nen, Par­tei­en, Medi­en und Einzelpersönlichkeiten betei­li­gen. Bis zum nächsten Sonn­abend soll das Pro­test­camp vor der US-Bot­­schaft am Bran­den­bur­ger Tor rund um die Uhr besetzt sein.

Vom Sitz der kuba­ni­schen Bot­schaft im Bezirk Prenz­lau­er Berg zogen die Teil­neh­men­den des jährlich statt­fin­den­den Fahr­rad­kor­sos zunächst zum Auswärtigen Amt und anschlie­ßend zur US-Bot­­schaft. Dort wur­de die Blo­cka­de sym­bo­lisch been­det: Eine Kar­ton­wand mit der Auf­schrift »¡Fin al blo­queo! – Sank­tio­nen töten« wur­de Stück für Stück abge­ris­sen. Bei jedem Kar­ton nann­te Edgar Göll vom Netz­werk Cuba einen Grund, war­um die Sank­tio­nen been­det wer­den müssen. »Wir wol­len, dass Kuba sei­nen seit dem Sieg der Revo­lu­ti­on ein­ge­schla­ge­nen Weg selbst­be­stimmt gehen kann«, erklärte er. Die US-Blo­ck­a­­de sei ein Wirt­schafts­krieg gegen die Insel: »Des­halb weg mit der Blo­cka­de, viva Kuba!«

Die Blo­cka­de ist dabei weit mehr als eine Ansamm­lung ein­zel­ner Sank­tio­nen. Seit mehr als 60 Jah­ren ver­sucht der US-Impe­ria­­lis­­mus, die Kuba­ni­sche Revo­lu­ti­on durch ökonomischen Druck zu schwächen und ihre poli­ti­schen und sozia­len Grund­la­gen zu zerstören. Der kuba­ni­sche Staat wird dabei nicht nur am direk­ten Han­del mit den USA gehin­dert. Auch Ban­ken und Unter­neh­men ande­rer Länder wer­den sank­tio­niert, wenn sie Geschäfte mit Kuba machen oder Finanz­trans­ak­tio­nen mit kuba­ni­schen Insti­tu­tio­nen abwi­ckeln. Die Fol­gen tref­fen die Bevölkerung. Der Zugang zu Treib­stoff, Medi­ka­men­ten, Lebens­mit­teln, Ersatz­tei­len und tech­ni­scher Ausrüstung wird erschwert. Beson­ders dra­ma­tisch ist die Blo­cka­de der Ener­gie­ver­sor­gung. Washing­ton hat die Maß­nah­men zuletzt wei­ter verschärft. Damit wird der Druck auf ein Land erhöht, des­sen gesell­schaft­li­che Res­sour­cen durch die jahr­zehn­te­lan­ge Blo­cka­de ohne­hin ange­grif­fen sind.

Die Pro­test­wa­che soll Kubas Situa­ti­on eine Woche lang einen sicht­ba­ren Ort in der Haupt­stadt geben. Jeden Abend um 18 Uhr sind Ver­an­stal­tun­gen geplant, unter ande­rem soll täglich ein aktu­el­ler Bericht aus Kuba ver­le­sen wer­den. Auf dem Pro­gramm ste­hen unter ande­rem Ver­an­stal­tun­gen zu Gesund­heit, Solar­ener­gie, gewerk­schaft­li­cher Solidarität und der Bericht einer Solidaritätsbrigade der SDAJ. Die Pro­test­wa­che sei wich­tig, um längerfristige Auf­merk­sam­keit zu schaf­fen, damit die Solidarität mit Kuba nicht nach einer kur­zen Kund­ge­bung wie­der aus dem Ber­li­ner Stadt­bild ver­schwin­de, sag­te eine Teil­neh­me­rin gegenüber jW.

Es soll deut­lich wer­den, dass es Wider­stand gegen die Poli­tik der USA gibt. Die gewach­se­ne Betei­li­gung am Fahr­rad­kor­so wer­te­te sie als ermu­ti­gen­des Zeichen.

Zum Auf­takt gehörte eine Dis­kus­si­on über die Kuba-Berich­t­er­sta­t­­tung deut­scher Medi­en. Auf dem Podi­um saßen Nick Brauns von jun­ge Welt, Mar­tin Ling vom ND, Matthew Read von der UZ sowie Fabi­an Gold­mann, Autor des Buches »Staatsräsonfunk«. Im Mit­tel­punkt stand die Fra­ge, wes­halb die Lage Kubas in gro­ßen deut­schen Medi­en ver­gleichs­wei­se wenig vor­kommt und wie über die Fol­gen der Blo­cka­de berich­tet wird.

Washing­ton bean­spru­che welt­weit sei­ne Vor­macht­stel­lung und ver­su­che, Staa­ten unter poli­ti­schen und ökonomischen Druck zu set­zen, die sich die­ser Ord­nung ent­zie­hen. Dass es den USA seit mehr als sechs Jahr­zehn­ten nicht gelun­gen ist, die klei­ne Insel vor der eige­nen Küste unter Kon­trol­le zu bekom­men, soll­te den Men­schen Hoff­nung geben, so jW-Che­f­­re­­dak­­teur Brauns. Kuba sei damit auch ein Bei­spiel dafür, dass impe­ria­lis­ti­sche Hege­mo­nie nicht wider­spruchs­los hin­ge­nom­men wer­den muss: »Kuba braucht uns, aber vor allem brau­chen wir Kuba.«

Der ers­te Tag der Pro­test­wa­che klang mit einem Kon­zert von Lie­der­ma­cher Hans-Eckardt Wen­zel aus. Da es zu Beginn im Pro­test­zelt noch kei­nen Strom gab, sang Wen­zel kur­zer­hand zur akus­ti­schen Gitar­re, und die Ver­sam­mel­ten stimm­ten ein in den Refrain sei­nes Lie­des »Havan­na war­tet«. Auch das Impro­vi­sie­ren lässt sich von den Kuba­nern lernen.

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