Die USA neh­men nun Kubas Lebens­mit­tel­ver­sor­gung ins Visier

By Published On: Sep­tem­ber 7, 2026Cate­go­ries: Agrar­wirt­schaft, News

(19.08.2026 / Jaco­bin Magazin)

Im Juli kün­dig­te das US-Außen­­mi­­nis­­te­ri­um eine neue Run­de umfas­sen­der Wirt­schafts­sank­tio­nen gegen Kuba an, die sich gegen Bran­chen rich­te­ten, die bis­her von Sank­tio­nen aus­ge­nom­men waren. Damit wur­de die Fähig­keit der kuba­ni­schen Regie­rung ein­ge­schränkt, land­wirt­schaft­li­che Erzeug­nis­se und Anla­gen zur Lebens­mit­tel­ver­ar­bei­tung aus Dritt­län­dern zu bezie­hen, wobei ins­be­son­de­re der staat­li­che kuba­ni­sche Impor­teur (GECOMEX) und der Hafen­be­trei­ber (GEMAR) ins Visier genom­men wurden.

Dies geschieht vor dem Hin­ter­grund der Ölblo­cka­de, die die USA seit Mona­ten gegen Kuba auf­recht­erhal­ten und die bereits zur Ver­ar­mung der Bevöl­ke­rung geführt hat, indem sie die sani­tä­re Grund­ver­sor­gung und die Ernäh­rungs­si­cher­heit beein­träch­tigt hat, und die Dut­zen­de von Pati­en­ten in kuba­ni­schen Kran­ken­häu­sern das Leben gekos­tet hat. Eine Dele­ga­ti­on des US-Kon­­­gres­­ses, die die Insel Anfang Juli besuch­te, beschrieb die Lage vor Ort als ein „stil­les Gaza“.

Vor die­sem Hin­ter­grund mag es über­ra­schen, dass die USA nach wie vor einer der wich­tigs­ten Han­dels­part­ner Kubas sind, da sie im ver­gan­ge­nen Jahr Waren im Wert von über 828 Mil­lio­nen Dol­lar expor­tiert haben. Hin­ter dem schein­ba­ren Wider­spruch, dass die USA ein Land sank­tio­nie­ren, mit dem sie Geschäf­te machen, ver­birgt sich eine Stra­te­gie, die so alt ist wie der Impe­ria­lis­mus selbst. Die USA sind durch­aus bereit, Lebens­mit­tel und ande­re aus­ge­wähl­te Waren an Kuba zu ver­kau­fen, wol­len aber das Mono­pol auf die­sen Handel.

Ein Alb­traum in Sachen Compliance

Jahr­zehn­te­lang rich­te­ten sich die US-San­k­­tio­­nen gegen Kuba auf abhän­gi­ge Wirt­schafts­zwei­ge wie den Berg­bau und den Tou­ris­mus, bei­des wich­ti­ge Devi­sen­quel­len für die kuba­ni­sche Regie­rung. Wäh­rend die­ser Zeit ver­zich­te­ten die USA dar­auf, Unter­neh­men zu sank­tio­nie­ren, die bestimm­te Waren nach Kuba impor­tie­ren, da die­se Trans­ak­tio­nen einen Devi­sen­ab­fluss aus dem Land bedeu­ten – sehr oft an US-Unter­­neh­­men, die voll­stän­dig und im Vor­aus bezahlt werden.

Die in Kuba täti­gen Berg­bau­un­ter­neh­men und Hotel­ket­ten sind es gewohnt, sich in einem kom­ple­xen regu­la­to­ri­schen Umfeld zu bewe­gen (wie die meis­ten gro­ßen Unter­neh­men die­ser Bran­chen). Dabei han­delt es sich zudem meist um klei­ne­re, nicht bör­sen­no­tier­te Unter­neh­men. Doch die Tat­sa­che, dass das US-Außen­­mi­­nis­­te­ri­um aus­drück­lich GECOMEX und GEMAR genannt hat – Unter­neh­men, die den phy­si­schen Import und Export prak­tisch aller Güter abwi­ckeln, die auf die Insel gelan­gen oder von dort aus­ge­führt wer­den –, erhöht die Risi­ken im Zusam­men­hang mit der Ein­hal­tung gesetz­li­cher Vor­schrif­ten für pro­du­zie­ren­de Unter­neh­men und Ree­de­rei­en. Dies stellt an sich bereits eine bemer­kens­wer­te Eska­la­ti­on dar.

So ist bei­spiels­wei­se ein Unter­neh­men wie die Büh­­ler-Grup­­pe, ein Schwei­zer Indus­trie­kon­zern, nun mit Risi­ken der Nicht­ein­hal­tung von Vor­schrif­ten kon­fron­tiert, wenn es Getrei­de­mahl­an­la­gen nach Kuba ver­kauft. Glei­ches gilt für ein Unter­neh­men aus einem Dritt­land, das Maschi­nen zur Rei­ni­gung und Sor­tie­rung von Hül­sen­früch­ten an Kuba ver­kau­fen könn­te. Wenn GECOMEX kei­ne Anla­gen impor­tie­ren kann, sind sei­ne Toch­ter­ge­sell­schaf­ten nicht in der Lage, land­wirt­schaft­li­che Grund­er­zeug­nis­se wie Wei­zen und Boh­nen effi­zi­ent zu ver­ar­bei­ten, was wie­der­um dazu führt, dass weni­ger Grund­nah­rungs­mit­tel in die kuba­ni­schen Haus­hal­te gelangen.

Die Sank­tio­nen gegen GEMAR, den Hafen­be­trei­ber, sind noch direk­ter, da sie für jede Ree­de­rei, die ihm Lie­ge­ge­büh­ren zahlt, das Risi­ko eines Ver­sto­ßes gegen Vor­schrif­ten mit sich brin­gen. Mehr als sie­ben­tau­send Con­tai­ner mit Ziel Havan­na lie­gen nun an ver­schie­de­nen Orten in der Kari­bik fest, nach­dem Unter­neh­men wie Hapag-Lloyd und CMA CGM ihre Geschäf­te mit Kuba ein­zu­stel­len. Auch wenn es huma­ni­tä­re Aus­nah­men gibt, die den Import von Lebens­mit­teln nach Kuba durch Dritt­län­der erlau­ben, könn­te die­se neue Sank­ti­ons­run­de die­se Lie­fe­run­gen ernst­haft behindern.

„Maß­nah­men die­ser Art zei­gen die geno­zi­da­le Absicht hin­ter der Stra­te­gie des ‚maxi­ma­len Drucks‘ der USA“, sagt Helen Yaf­fe, Pro­fes­so­rin an der Uni­ver­si­tät Glas­gow und Autorin von „We Are Cuba! How a Revo­lu­tio­na­ry Peo­p­le Have Sur­vi­ved in a Post-Soviet World“. „Die Ernäh­rung ist eine schreck­li­che Schwach­stel­le, die Kuba durch die kolo­nia­le und impe­ria­le Geschich­te auf­er­legt wur­de. Das gan­ze Land wur­de in ein Zucker­rohr­feld verwandelt.“

Die Höhen und Tie­fen der kuba­ni­schen Landwirtschaft

Unmit­tel­bar nach der Revo­lu­ti­on ver­staat­lich­te die kuba­ni­sche Regie­rung die größ­ten land­wirt­schaft­li­chen Betrie­be, Plan­ta­gen und Haci­en­das, wäh­rend vie­le klei­ne bäu­er­li­che Betrie­be unab­hän­gig blie­ben. Wäh­rend der „Perío­do Espe­cial“ (nach dem Zusam­men­bruch der Sowjet­uni­on) ver­ab­schie­de­te Fidel Cas­tro die Drit­te Agrar­re­form Kubas, durch die Genos­sen­schaf­ten und Fami­li­en­be­trie­ben mit­tels Nieß­brauchs­rech­ten mehr Land zuge­wie­sen wur­de. Dies dezen­tra­li­sier­te die land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on der Regie­rung und wan­del­te die import­ab­hän­gi­gen Staats­be­trie­be in „Uni­d­a­des Bási­cas de Pro­duc­ción Coope­ra­ti­va“ (koope­ra­ti­ve Basis­pro­duk­ti­ons­ein­hei­ten) um.

„Die Netz­wer­ke von Land­wirt zu Land­wirt schul­ten mehr als 200.000 Bau­ern­fa­mi­li­en in agro­öko­lo­gi­schen Metho­den“, sagt Mar­ga­ri­ta Fernán­dez vom Carib­be­an Agroe­co­lo­gy Insti­tu­te (CAI), das nach­hal­ti­ge land­wirt­schaft­li­che Prak­ti­ken und Ernäh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät för­dert. Wäh­rend der „Son­der­pe­ri­ode“ ver­mehr­ten sich die städ­ti­schen Gär­ten (Orga­nopó­ni­cos) in Havan­na, und die kuba­ni­sche Regie­rung schätz­te, dass mehr als 50 Pro­zent des in der Haupt­stadt kon­su­mier­ten Früch­te und Gemü­ses dort ange­baut wurden.

In sei­nem Buch „The Gree­ning of the Revo­lu­ti­on“ ver­tritt der Akti­vist für das Recht auf Nah­rung, Peter Ros­set, die Ansicht, dass es sich dabei um „den größ­ten Ver­such in der Welt­ge­schich­te han­del­te, die kon­ven­tio­nel­le Land­wirt­schaft auf eine alter­na­ti­ve, halb-öko­­­lo­­gi­­sche Land­wirt­schaft umzu­stel­len“. „Eine Zeit lang wur­de Kuba zu einem glo­ba­len Sym­bol dafür, wie eine Land­wirt­schaft nach dem Ende des Ölzeit­al­ters aus­se­hen könn­te“, sagt Fernández.

Auf dem Höhe­punkt die­ser Bewe­gung, Mit­te der 2000er Jah­re, stamm­ten zwi­schen 35 und 40 Pro­zent aller in Kuba kon­su­mier­ten Kalo­rien aus der häus­li­chen Land­wirt­schaft. Die „Son­der­pe­ri­ode“ ende­te jedoch schließ­lich, als Kuba unter Hugo Chá­vez enge­re Han­dels­be­zie­hun­gen zu Vene­zue­la auf­bau­te. Damit hat­te Kuba wie­der Zugang zu den Erd­öl­pro­duk­ten, die die indus­tri­el­le Land­wirt­schaft erst mög­lich machen.

„Da sich die wirt­schaft­li­chen Bedin­gun­gen zeit­wei­se ver­bes­ser­ten, ori­en­tier­ten sich die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger oft wie­der an der kon­ven­tio­nel­len indus­tri­el­len Land­wirt­schaft“, sagt Fernán­dez. „Die Agrar­öko­lo­gie wur­de nie voll­stän­dig als Grund­la­ge des Ernäh­rungs­sys­tems insti­tu­tio­na­li­siert. Statt­des­sen wur­de sie als Not­lö­sung behan­delt“, erklär­te der Forscher.

Tat­säch­lich waren die Erträ­ge in Acker­bau und Vieh­zucht bereits vor der „Perío­do Espe­cial“ rück­läu­fig. Ende der 1980er Jah­re führ­te das kuba­ni­sche Modell der indus­tri­el­len Land­wirt­schaft zu einer star­ken Boden­ver­dich­tung und ‑degra­da­ti­on, was einen Rück­gang der Erträ­ge in der nicht-zucker­­be­­zo­­ge­­nen land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on zur Fol­ge hatte.

Die Erträ­ge waren bereits in den letz­ten Jah­ren zurück­ge­gan­gen, bevor die USA im Janu­ar die Kon­trol­le über die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung über­nah­men und die aktu­el­le Kri­se aus­lös­ten. Zwi­schen 2018 und 2023 sank die inlän­di­sche Ern­te von Grund­nah­rungs­mit­teln wie Reis um mehr als 50 Pro­zent. Die US-ame­ri­­ka­­ni­­sche Nie­der­las­sung des Welt­ernäh­rungs­pro­gramms schätzt, dass Kuba mitt­ler­wei­le zu 70 bis 80 Pro­zent auf Agrar­im­por­te ange­wie­sen ist, um sei­nen Bedarf zu decken.

Das mag nicht nach einem all­zu gro­ßen Rück­gang aus­se­hen, doch man darf nicht ver­ges­sen, dass nicht alle Kalo­rien gleich sind. In der Ver­gan­gen­heit war Kuba bei Obst und Gemü­se zu 90 Pro­zent aut­ark – die­se Lebens­mit­tel sind reich an Vit­ami­nen und Bal­last­stof­fen, ent­hal­ten aber nur sehr wenig Eiweiß. Heu­te pro­du­ziert Kuba jedoch weni­ger als 1 Pro­zent des von ihm ver­zehr­ten Hüh­ner­fleischs, und sei­ne Schwei­ne­fleisch­in­dus­trie ist kürz­lich zusammengebrochen.

Erschwe­rend kommt hin­zu, dass die der­zei­ti­ge Ölblo­cka­de die land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on im Land um 60 Pro­zent redu­ziert hat, wie der Hohe Kom­mis­sar der Ver­ein­ten Natio­nen für Men­schen­rech­te in einem Bericht vom Juni schätzt. „Das Ratio­nie­rungs­heft ist mitt­ler­wei­le völ­lig abge­nutzt“, sagt Helen Yaf­fe. Die Sank­tio­nen vom Juli wer­den die­se Situa­ti­on wahr­schein­lich noch verschärfen.

Genos­sen­schaf­ten und Fami­li­en­be­trie­be bewirt­schaf­ten der­zeit rund 69 Pro­zent der land­wirt­schaft­li­chen Flä­che Kubas, wenn­gleich nicht alle von ihnen nach­hal­ti­ge Anbau­me­tho­den anwen­den. Vie­le sind wei­ter­hin auf Bewäs­se­rungs­me­tho­den ange­wie­sen, die mit Ben­zin und Die­sel betrie­ben wer­den. Und obwohl der Ein­satz von Bio­dün­gern und Bio­pes­ti­zi­den anstel­le von Deri­va­ten fos­si­ler Brenn­stof­fe weit ver­brei­tet ist, sind die­se auf einen sta­bi­len Trans­port ange­wie­sen, um leben­de Kul­tu­ren von den Labors zu den abge­le­ge­nen Fel­dern zu brin­gen, bevor sie ver­der­ben – was ange­sichts der bru­ta­len Ener­gie­blo­cka­de der USA prak­tisch unmög­lich ist.

Die Schät­zun­gen vari­ie­ren, doch Befür­wor­ter die­ser Prak­ti­ken gehen davon aus, dass eine Aus­wei­tung der Agrar­öko­lo­gie die Abhän­gig­keit von Agrar­im­por­ten um 35 bis 40 Pro­zent ver­rin­gern könn­te. Ande­re schät­zen, dass damit 70 Pro­zent des gesam­ten Kalo­rien­be­darfs in Kuba gedeckt wer­den könn­ten. Dies wür­de auch dazu bei­tra­gen, die Defi­zi­te im Agrar­han­del zu ver­rin­gern, die Orga­ni­sa­tio­nen wie das CAI als Hin­der­nis für eine grö­ße­re Ernäh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät betrach­ten. Die kuba­ni­schen Aus­ga­ben für Agrar­im­por­te belie­fen sich im Jahr 2024 auf 2,7 Mil­li­ar­den Dol­lar, wobei Fleisch (458 Mil­lio­nen Dol­lar) und Getrei­de (177 Mil­lio­nen Dol­lar) den größ­ten Anteil ausmachten.

Kuba muss sich zudem mit einem aggres­si­ven Nach­barn im Nor­den aus­ein­an­der­set­zen, der nicht nur sei­ne Mög­lich­kei­ten, frei Han­del zu trei­ben und Treib­stoff zu bezie­hen, ein­schränkt, son­dern auch sei­ne bestehen­den Märk­te mit aller Kraft ver­tei­digt. „Jeder Ver­such, Lebens­mit­tel für den loka­len Ver­brauch zu pro­du­zie­ren, stößt auf den Wider­stand der US-Agrar­­lo­b­­by“, sagt Yaffe.

Ein aus­ge­spro­chen unfrei­er Markt

Von den Lebens­mit­teln, die Kuba impor­tiert, stam­men 403 Mil­lio­nen Dol­lar aus den USA, 328 Mil­lio­nen aus Argen­ti­ni­en und 282 Mil­lio­nen aus Bra­si­li­en. Aber auch hier gilt: Nicht alle Kalo­rien sind gleich. Kuba impor­tiert 85 Pro­zent sei­nes Wei­zens aus Kana­da und – was viel­leicht am wich­tigs­ten ist – 80 Pro­zent sei­nes Hüh­ner­fleischs aus den USA.

Tief­ge­fro­re­ne Hähn­chen­tei­le und ‑keu­len sind die erschwing­lichs­te und am leich­tes­ten zugäng­li­che tie­ri­sche Pro­te­in­quel­le in der kuba­ni­schen Ernäh­rung. Kuba ist seit mehr als zehn Jah­ren einer der fünf größ­ten Export­märk­te für US-ame­ri­­ka­­ni­­sches Hähn­chen­fleisch und liegt damit vor Län­dern mit rie­si­ger Bevöl­ke­rung wie den Phil­ip­pi­nen und Chi­na. Im ver­gan­ge­nen Jahr expor­tier­ten die USA Hüh­ner­fleisch im Wert von 298 Mil­lio­nen Dol­lar nach Kuba, fast aus­schließ­lich in Form von tief­ge­fro­re­nen Hähn­chen­tei­len und ‑bei­nen. Und es wird erwar­tet, dass die jüngs­ten Sank­tio­nen die Waa­ge im Agrar­han­del noch wei­ter zuguns­ten der USA kip­pen las­sen werden.

Es ist unwahr­schein­lich, dass die kana­di­sche Agrar­in­dus­trie einen Vor­teil dar­in sieht, den Agrar­han­del mit Kuba im Wert von 278 Mil­lio­nen kana­di­schen Dol­lar fort­zu­set­zen, ange­sichts der Risi­ken von Ver­stö­ßen gegen Vor­schrif­ten, die bereits dazu geführt haben, dass ein nam­haf­tes Berg­bau­un­ter­neh­men auf­grund finan­zi­el­ler Zwän­ge gezwun­gen war, sich an einen mit Donald Trump ver­bün­de­ten US-Käu­­fer zu ver­kau­fen. Zum Ver­gleich: Kana­da erziel­te im Jahr 2024 einen Agrar­han­dels­um­satz von mehr als 100 Mil­li­ar­den kana­di­schen Dol­lar, wovon 62 Pro­zent auf den Han­del mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten entfielen.

„Wenn ein Dritt­land einer von der Blo­cka­de betrof­fe­nen Par­tei Waren oder Dienst­leis­tun­gen lie­fert, kann es selbst von der Blo­cka­de betrof­fen sein“, erklärt Robert Muse, ein renom­mier­ter Anwalt, der sich auf US-ame­ri­­ka­­ni­­sche Geset­ze und Vor­schrif­ten in Bezug auf Kuba spe­zia­li­siert hat. „Und dann kann jeder, der die­sem Land Waren oder Dienst­leis­tun­gen lie­fert, eben­falls von der Blo­cka­de betrof­fen sein … und so wei­ter.“ Titel III des Helms-Bur­­ton-Gese­t­­zes, der pri­va­te Unter­neh­men der Gefahr von Kla­gen aus­setzt, wenn sie mit Ver­mö­gens­wer­ten han­deln, die wäh­rend der kuba­ni­schen Revo­lu­ti­on ent­eig­net wur­den, kann sich theo­re­tisch unbe­grenzt ausweiten.

Neben ihrem Wunsch nach Zugang zum US-Markt gibt es min­des­tens einen wei­te­ren Grund, war­um Unter­neh­men sich nicht gegen die­se unnö­ti­gen Risi­ken einer Rechts­ver­let­zung auf­leh­nen: „Das inter­na­tio­na­le Ban­ken­sys­tem und die Vor­herr­schaft des US-Dol­lars hin­dern die Unter­neh­men dar­an, zurück­zu­schla­gen“, sagt Helen Yaf­fe. Trans­ak­tio­nen in Dol­lar, die den größ­ten Teil des Welt­han­dels aus­ma­chen, müs­sen über das US-Ban­ken­­sys­­tem abge­wi­ckelt werden.

Damit bleibt Kuba nur ein ein­zi­ger Han­dels­part­ner, mit dem es rei­bungs­los zusam­men­ar­bei­ten kann: das Land, das gera­de ver­sucht, sei­ne Regie­rung zu zer­schla­gen. „US-Unter­­neh­­men wer­den die bevor­zug­ten Inves­to­ren im ‚neu­en Kuba‘ sein, das die USA durch sekun­dä­re Sank­tio­nen auf­zu­bau­en ver­su­chen“, sagt Muse.

Der­zeit ist der größ­te Teil der Welt nicht bereit, den Zugang zum US-Markt sowie zu den Zah­­lungs- und Kre­dit­sys­te­men zu ris­kie­ren, um wei­ter­hin Han­del mit Kuba zu trei­ben. Der Druck, eine Alter­na­ti­ve zu fin­den, nimmt jedoch wei­ter zu, da die unbe­re­chen­ba­re Han­dels­po­li­tik der Ver­ei­nig­ten Staa­ten und ihr ein­sei­ti­ges Sank­ti­ons­re­gime vor dem Hin­ter­grund der mit dem Krieg gegen den Iran ver­bun­de­nen Han­dels­stö­run­gen zuneh­mend unter Druck gera­ten. „Wenn Kuba noch mit dem Rest der Welt Han­del trei­ben könn­te, hät­te es die Chan­ce, zu pro­spe­rie­ren“, sagt Yaffe.

Die US-Regie­rung hat die unbe­grenz­te Reich­wei­te des Helms-Bur­­ton-Gese­t­­zes und die Hege­mo­nie des Dol­lars aus­ge­nutzt, um ein regu­la­to­ri­sches Umfeld und ein Sank­ti­ons­re­gime zu schaf­fen, das so streng ist, dass kein ratio­nal han­deln­der Akteur es wagen wür­de, sich dem zu wider­set­zen. Gleich­zei­tig hat ihre Ölblo­cka­de die Ernäh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät durch ein indus­tri­el­les Agrar­mo­dell nahe­zu unmög­lich gemacht, wodurch Kuba bei der Beschaf­fung von bil­li­gem Eiweiß vom US-Agrar­­ge­­schäft abhän­gig ist.

Unter­des­sen haben die Sank­tio­nen im Bank‑, Ber­g­­bau- und Tou­ris­mus­be­reich Kuba der Devi­sen beraubt, die es zur Finan­zie­rung eines Über­gangs zu nach­hal­ti­ge­ren Land­wirt­schafts­mo­del­len benö­tigt. Mit ande­ren Wor­ten: Wäh­rend die USA dar­auf abzie­len, die kuba­ni­sche Regie­rung zu stür­zen und das Land für US-ame­ri­­ka­­ni­­sches Pri­vat­ei­gen­tum zu öff­nen, nut­zen sie den Zugang zu Lebens­mit­teln als ulti­ma­ti­ves Druckmittel.

Estados Uni­dos apun­ta aho­ra al sum­i­nis­tro de ali­ment­os de Cuba

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