Die Revo­lu­ti­on bewahren

By Published On: Juni 19, 2026Cate­go­ries: News

Jun­ge Welt / 20.06.2026 /Von Vol­ker Hermsdorf/Kuba beschließt umfas­sen­de Transformation

Die vom kuba­ni­schen Par­la­ment beschlos­se­ne tief­grei­fen­de Trans­for­ma­ti­on des Wir­t­­schafts- und Sozi­al­mo­dells wirkt für man­che auf den ers­ten Blick verstörend. Wenn Pre­mier­mi­nis­ter Manu­el Mar­re­ro Cruz betont, dass die Maß­nah­men nicht zur Abkehr vom sozia­lis­ti­schen Pro­jekt, son­dern zu des­sen Wei­ter­ent­wick­lung führen sol­len, erin­nert das an Äußerungen von Micha­el Gor­bat­schow, der sei­ne Pere­stroi­ka 1987 zunächst mit der Behaup­tung begründete: »Wir wer­den uns auf einen bes­se­ren Sozia­lis­mus zube­we­gen, und nicht von ihm weg.« Das Ergeb­nis ist bekannt.

West­li­che Kom­men­ta­to­ren ver­brei­ten bereits, dass mit der Hin­wen­dung zum Markt nun auch in Kuba das Ende der sozia­lis­ti­schen Ära ein­ge­lei­tet wer­de. Das von den USA finan­zier­te Con­tra­por­tal 14 y medio spe­ku­lier­te sogar schon über ein Ver­bot der Kom­mu­nis­ti­schen Partei.

Unbe­streit­bar ist, dass der Würgegriff des Trump-Regimes kuba­ni­sche Poli­ti­ker zu dras­ti­schen Maß­nah­men zwingt. Deren Ziel ist es jedoch nicht, sich dem Druck Washing­tons zu unter­wer­fen, son­dern die Unabhängigkeit und Souveränität des Lan­des zu erhal­ten und so vie­le Errun­gen­schaf­ten der Revo­lu­ti­on wie möglich zu bewahren.

Das Agie­ren der kuba­ni­schen Regie­rung ist nicht mit dem Ver­rat eines Gor­bat­schow oder der Lage von Vene­zue­las amtie­ren­der Präsidentin Del­cy Rodríguez ver­gleich­bar, die nach dem Ein­fall der US-Militärs und der Ver­schlep­pung des legi­ti­men Staats­chefs Nicolás Madu­ro und sei­ner Frau Cilia Flo­res durch Trumps Scher­gen mit Exe­ku­ti­on bedroht wur­de, falls sie sich nicht den Bedin­gun­gen Washing­tons füge.

In Kuba bestim­men jedoch weder Trump noch sein Militär die Agen­da, son­dern eine unabhängige Regie­rung, deren Poli­ti­ker aus der Ver­ant­wor­tung han­deln, das Überleben der Bevölkerung zu sichern. Mit dem Satz »Kuba verändert sich, um wie­der­auf­zu­ste­hen und wei­ter­hin frei zu sein«, beschrieb Präsident Miguel Díaz-Canel zum Abschluss der Par­la­ments­sit­zung am Don­ners­tag das Ziel aller beschlos­se­nen Maßnahmen.

»Kuba ist nicht zum Schei­tern ver­ur­teilt«, fügte er hin­zu, »son­dern verfügt über genügend Men­schen, Talent und Würde, um vor­an­zu­kom­men« – eine Aus­sa­ge, die das Land in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten immer wie­der unter Beweis gestellt hat. Jetzt geht es vor allem dar­um, die Zeit des Macht­ha­bers im Wei­ßen Haus zu überstehen, des­sen Herr­schaft ihren Zenit bereits überschritten hat. West­li­che Medi­en­kam­pa­gnen über eine angeb­li­che Abkehr vom Sozia­lis­mus sind in die­sem Zusam­men­hang eher als Teil einer bekann­ten US-Tak­­tik zu bewer­ten, um Lin­ke und die Kuba-Solidarität zu spalten.

Der Ver­un­si­che­rung dient auch eine am Don­ners­tag im EU-Par­la­­ment auf Antrag meh­re­rer rech­ter Par­tei­en ver­ab­schie­de­te Reso­lu­ti­on, in der die Aus­set­zung des EU-Dia­­logs mit Kuba, Sank­tio­nen gegen Präsident Díaz-Canel, der Sturz des gesam­ten Sys­tems sowie ein »unverzüglicher demo­kra­ti­scher Übergang« ver­langt wer­den. Während die EU gera­de ein Land auf­neh­men will, das Nazi­kol­la­bo­ra­teu­re als Hel­den fei­ert, erweist sie sich gegenüber Kuba als verlässlicher Vasall des Trump-Regimes. Bei­de Verbündete wer­den auch durch wei­test­ge­hen­de Refor­men nicht davon ablas­sen, wei­ter einen Umsturz in Kuba voranzutreiben.

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