Amok­lauf

By Published On: Juni 6, 2026Cate­go­ries: News

Jun­ge Welt / 06.06.2026 /von Vol­ker Hermsdorf/

Die Ver­zweif­lung der Macht­ha­ber in Washing­ton darüber, dass sie Kubas Bevölkerung nicht auf die Knie zwin­gen können, muss groß sein. Trotz aller Drang­sa­lie­run­gen, mit denen die Men­schen auf der Insel aus­ge­hun­gert wer­den, ihnen die Ener­gie­ver­sor­gung ent­zo­gen und die Exis­tenz­grund­la­ge genom­men wird, ist die Mehr­heit nicht bereit, sich zu erge­ben. Selbst Dro­hun­gen mit Militärschlägen und einer erneu­ten Inva­si­on führten bis­her nicht zum gewünschten Sturz der revolutionären Regierung.

Ihre bis­lang ergeb­nis­lo­sen Ver­su­che machen die Trump-Admi­­nis­­tra­­ti­on aller­dings noch unbe­re­chen­ba­rer und gefährlicher – wie ein in die Ecke gedrängtes Tier. Am Don­ners­tag verhängte das US-Finan­z­­mi­­nis­­te­ri­um neue Sank­tio­nen gegen Kubas Präsident Miguel Díaz- Canel, des­sen Ehe­frau Lis Cues­ta Peraza und wei­te­re Mit­glie­der sei­ner Fami­lie. Bereits seit Mit­te 2025 kann Kubas Staats­ober­haupt nicht an Sit­zun­gen der Ver­ein­ten Natio­nen in New York teil­neh­men, da die USA ihm die Ein­rei­se dafür ver­wei­gern. Auch das Minis­te­ri­um der Revolutionären Streitkräfte, die lan­des­weit in Nach­bar­schaf­ten orga­ni­sier­ten Komi­tees zur Ver­tei­di­gung der Revo­lu­ti­on (CDR), das Kuba­ni­sche Insti­tut für Völkerfreundschaft (ICAP) sowie des­sen Rei­se­agen­tur Amis­tur wur­den mit Zwangs­maß­nah­men belegt. Die­se Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen würden Kubas Bemühungen unterstützen, »sei­ne radi­ka­len revolutionären Bewe­gun­gen in den USA und welt­weit zu mobi­li­sie­ren«, begründete US-Außen­­mi­­nis­­ter Mar­co Rubio die Sanktionierung.

Díaz-Canel bezeich­ne­te die Akti­on als Aus­druck »poli­ti­scher Blind­heit« und ver­si­cher­te: »Die Aggressivität der Yan­kee-Regie­rung wird auf unse­re Ent­schlos­sen­heit sto­ßen, dem impe­ria­len Angriff stand­zu­hal­ten.« Während Trumps Sol­da­tes­ka beim Angriff auf Vene­zue­la mit der Ver­schlep­pung des Präsidentenpaares kaum auf nen­nens­wer­ten Wider­stand stieß, würde sie in Kuba auf ein Volk tref­fen, das sich aus eige­ner Kraft von kolo­nia­ler und impe­ria­lis­ti­scher Fremd­herr­schaft befreit und den US-freun­d­­li­chen Dik­ta­tor Ful­gen­cio Batis­ta außer Lan­des gejagt hat. Und außer fana­ti­schen Con­tras wünschen sich selbst Geg­ner der sozia­lis­ti­schen Regie­rung nicht die Zustände zurück, die bis zum Sieg der Revo­lu­ti­on 1959 auf Kuba herrschten.

Ange­sichts des mörderischen Amok­laufs eines strau­cheln­den Impe­ri­ums sind Appel­le zur Respek­tie­rung des Völkerrechts mitt­ler­wei­le eben­so sinn­los wie der Ver­such, aus einem von Toll­wut befal­le­nen Hund wie­der einen fried­li­chen Beglei­ter zu machen.