Alarm­stu­fe rot in Havanna

By Published On: Mai 21, 2026Cate­go­ries: News

(22.05.2026: Tages­zei­tung jun­ge Welt von Vol­ker Hermsdorf)

Washing­ton jagt Revolutionsführer Raúl Cas­tro mit Haft­be­fehl und ent­sen­det Kriegs­schif­fe in die Kari­bik. Kuba weist Ankla­ge vehe­ment zurück.

Gut 65 Jah­re nach der geschei­ter­ten CIA-Inva­­si­on in der Schwei­ne­bucht bedro­hen die USA Kuba mit einem erneu­ten Angriff. Zeit­gleich mit einer Ankla­ge des US-Jus­­ti­z­­mi­­nis­­te­ri­ums gegen den kuba­ni­schen Revolutionsführer und Expräsidenten Raúl Cas­tro wegen Mor­des – es geht um den Abschuss zwei­er Klein­flug­zeu­ge von Exil­ku­ba­nern im Jahr 1996 – ver­leg­te das Pen­ta­gon Mit­te der Woche den atom­ge­trie­be­nen Flugzeugträger »USS Nimitz« in die Karibik.

In Havan­na herrscht Alarm­stu­fe rot. Während sich die Lan­des­ver­tei­di­gung auf eine mögliche US-Inva­­si­on vor­be­rei­tet, ist die Bevölkerung der Haupt­stadt für die­sen Frei­tag zu einer Kund­ge­bung an der »Anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Tribüne« vor Washing­tons Bot­schaft am Malecón aufgerufen.

»Will­kom­men in der Kari­bik, Kampf­grup­pe der ›Nimitz‹!« schrieb das Südkommando der US- Streitkräfte am Mitt­woch auf X. Der Flugzeugträger wird von Zerstörern, Bord­flug­zeu­gen und wei­te­ren Schif­fen beglei­tet. Nach offi­zi­el­ler Dar­stel­lung soll die »Nimitz« die stra­te­gi­sche Präsenz Washing­tons in Latein­ame­ri­ka und der Kari­bik im Rah­men der Mari­ne­ope­ra­ti­on »Sou­thern Seas 2026« verstärken. Tatsächlich erin­nert der Militäraufmarsch aber an die Ende 2025 erfolg­te Ent­sen­dung des Flugzeugträgers »USS Gerald Ford«, der am 3. Janu­ar den Angriff auf Vene­zue­la mit der Entführung von Präsident Nicolás Madu­ro und sei­ner Ehe­frau, der Abge­ord­ne­ten Cilia Flo­res, unterstützte.

In einer Rede vor der Aka­de­mie der US-Küstenwache verschärfte Donald Trump am Mitt­woch die Dro­hun­gen gegen Kuba. »Als Präsident ergrei­fe ich ent­schlos­se­ne Maß­nah­men im Namen die­ses so lei­den­den Teils unse­rer Hemisphäre und um den Bedro­hun­gen unse­rer natio­na­len Sicher­heit zu begeg­nen, die von die­ser Regi­on aus­ge­hen«, sag­te er. »Von den Küsten Havan­nas bis zu den Ufern des Pana­ma­ka­nals wer­den wir die Kräfte der Anar­chie, der Kriminalität und der ausländischen Ein­mi­schung ver­trei­ben«, fügte er hin­zu. Am sel­ben Tag erklärte US- Gene­ral­staats­an­walt Todd Blan­che, dass Raúl Cas­tro sich in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten »frei­wil­lig oder auf ande­re Wei­se« vor der Jus­tiz ver­ant­wor­ten wer­de. Er bekräftigte, dass ein Haft­be­fehl gegen den 94jährigen vor­lie­ge und die Ankla­ge wegen Mor­des »nicht nur zur Show« sei. Ash­ley Moo­dy, die Außen­mi­nis­ter Mar­co Rubio als Ver­tre­te­rin Flo­ri­das im US-Senat beerb­te, beton­te, dass ihm in den USA »die Todes­stra­fe oder lebens­lan­ge Haft« drohe.

Die kuba­ni­sche Regie­rung wies die Ankla­ge gegen den Revolutionsführer zurück und bezeich­ne­te sie als »poli­ti­sche Akti­on ohne jede recht­li­che Grund­la­ge«. Sie zei­ge ledig­lich »die Arro­ganz und Frus­tra­ti­on, die die Ver­tre­ter des Impe­ri­ums ange­sichts der unerschütterlichen Stand­haf­tig­keit der Kuba­ni­schen Revo­lu­ti­on sowie der Ein­heit und mora­li­schen Stärke ihrer Führung emp­fin­den«, erklärte Präsident Miguel Díaz-Canel. Zugleich warn­te er davor, dass das eigent­li­che Ziel die­ses Manövers dar­in bestehe, Vorwürfe zu kon­stru­ie­ren, »um den Irr­sinn einer militärischen Aggres­si­on gegen Kuba« zu recht­fer­ti­gen. »Sie wis­sen sehr wohl, dass Kuba in legi­ti­mer Selbst­ver­tei­di­gung han­del­te, nach­dem bekann­te Ter­ro­ris­ten wie­der­holt und gefährlich unse­ren Luft­raum ver­letzt hat­ten«, sag­te Kubas Staats­chef zu dem Abschuss zwei­er Klein­flug­zeu­ge im Jahr 1996, der Cas­tro zur Last gelegt wird. »Die dama­li­ge US-Regie­rung wur­de mehr als ein Dut­zend Mal darüber infor­miert, igno­rier­te jedoch die War­nun­gen und ließ die Ver­let­zun­gen zu«, fügte er hinzu.

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