US-Hun­­ger­­po­­li­­tik gegen Kuba

By Published On: Juni 4, 2026Cate­go­ries: News

(jun­ge­Welt: 04.06.2026 von Vol­ker Hermsdorf)

Mit sei­ner Ener­­gie- und Han­dels­blo­cka­de erfüllt Washing­ton Tat­be­stand des Völkermordes.

Mit der tota­len Ener­gie­blo­cka­de setzt das Trump-Regime zuneh­mend den Hun­ger als Waf­fe gegen Kuba ein. Wie meh­re­re Medi­en Anfang der Woche unter Beru­fung auf Quel­len der Ver­ein­ten Natio­nen berich­te­ten, ver­hin­dert die US-Blo­ck­a­­de seit Wochen die Lie­fe­rung und Ver­tei­lung von Tau­sen­den Ton­nen UN-Hilfs­­­gü­­tern und Nah­rungs­mit­teln. Damit sei die US-Blo­ck­a­­de mit ihrer erklär­ten Ziel­set­zung nach der Gen­fer Kon­ven­ti­on von 1948 als »Akt des Völ­ker­mords« zu betrach­ten, argu­men­tie­ren Kri­ti­ker der US-Politik.

Fast 20.000 Ton­nen Lebens­mit­tel, die von UN-Orga­­ni­­sa­­tio­­nen wie dem Welt­ernäh­rungs­pro­gramm (WFP), UNICEF und dem UNDP bereit­ge­stellt wer­den, lagern der­zeit in den Häfen Mari­el und Sant­ia­go de Cuba und in inter­nen Depots. Obwohl in Kuba mitt­ler­wei­le eine Hun­gers­not droht, sta­peln sich Con­tai­ner mit Nah­rungs­mit­tel­vor­rä­ten, die unge­nutzt blei­ben. Die Ver­tei­lung schei­tert an der von Washing­ton ver­häng­ten tota­len Ölblo­cka­de. Ben­zin und Die­sel sind so knapp, dass die UN, die mehr als fünf Mil­lio­nen Liter Treib­stoff für die Ver­tei­lung benö­tigt, sie nicht beschaf­fen kann. Der Tes­si­ner Arzt und Kuba-Unter­­stü­t­­zer Fran­co Caval­li, der kürz­lich auf der Insel war, berich­tet in der Schwei­zer Gewerk­schafts­zei­tung Work, dass die Ener­gie­kri­se den All­tag weit­ge­hend zum Still­stand gebracht habe. Trans­port­we­ge sei­en blo­ckiert, auch fri­sche Lebens­mit­tel ver­dür­ben: »Die Lage ist dra­ma­tisch. Die Leu­te haben Hunger!«

Exper­ten und Son­der­be­richt­erstat­ter der Ver­ein­ten Natio­nen pran­ger­ten am Diens­tag an, dass die Kom­bi­na­ti­on aus Sank­tio­nen, logis­ti­schen Blo­cka­den und extra­ter­ri­to­ria­lem Sank­ti­ons­druck die huma­ni­tä­re Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung sys­te­ma­tisch behin­de­re. Sie for­der­ten die sofor­ti­ge Auf­he­bung der ein­sei­ti­gen Zwangs­maß­nah­men und ver­wei­sen auf die Ver­pflich­tun­gen der Staa­ten nach der UN-Char­­ta. Kri­ti­ker beto­nen zudem, dass die geziel­te Schaf­fung lebens­feind­li­cher Bedin­gun­gen für gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung den juris­ti­schen Tat­be­stand des Völ­ker­mords im Sin­ne der UN-Völ­ker­­mor­d­­kon­­­ven­­ti­on erfül­le, da den Men­schen in Kuba – wie in Arti­kel II© der Gen­fer Kon­ven­ti­on von 1948 beschrie­ben – »Lebens­be­din­gun­gen auf­er­legt wer­den, die geeig­net sind, die phy­si­sche Zer­stö­rung einer Grup­pe ganz oder teil­wei­se herbeizuführen«.

Den­noch ver­schärft Washing­ton – par­al­lel zur huma­ni­tä­ren Kri­se – den wirt­schaft­li­chen Druck auf die Insel. Neben der Ener­­gie- und Han­dels­blo­cka­de ste­hen zuneh­mend exis­ten­ti­ell wich­ti­ge Wirt­schafts­struk­tu­ren im Fokus, beson­ders die den Streit­kräf­ten unter­ste­hen­de staat­li­che GAE­­SA-Hol­­ding, die zen­tra­le Tei­le des Tou­ris­­mus- und Devi­sen­sek­tors betreibt. Durch sekun­dä­re Sank­tio­nen wer­den auch Unter­neh­men in Dritt­staa­ten unter Zug­zwang gesetzt, ihre Zusam­men­ar­beit mit kuba­ni­schen Part­nern zu been­den. Die Fol­gen sind bereits sicht­bar: Inter­na­tio­na­le Ree­de­rei­en wie CMA CGM und Hapag-Lloyd haben ihre Trans­por­te aus­ge­setzt, zahl­rei­che west­li­che Inves­to­ren zie­hen sich zurück, auch gro­ße Hotel­ket­ten redu­zie­ren ihre Prä­senz oder been­den Koope­ra­tio­nen mit GAE­­SA-nahen Betrieben.

Die kuba­ni­sche Regie­rung wies die Angrif­fe auf das stra­te­gi­sche Rück­grat der Wirt­schaft in einer am Diens­tag ver­öf­fent­lich­ten Erklä­rung als »gefähr­li­che Eska­la­ti­on« zurück. Die Hol­ding sei in der Son­der­pe­ri­ode als Ant­wort auf den US-Wir­t­­schafts­­­krieg gegrün­det wor­den, um Devi­sen zu bün­deln und die sozia­le Absi­che­rung der Bevöl­ke­rung zu finan­zie­ren – dar­un­ter den Bau von mehr als 10.000 Woh­nun­gen, Inves­ti­tio­nen in Was­ser­lei­tun­gen und Ener­gie­infra­struk­tur. Zudem habe GAESA die Ver­sor­gung wäh­rend der Coro­na­kri­se gewähr­leis­tet. Sie sei »eines der vie­len Bei­spie­le, die es uns ermög­licht haben, der per­ma­nen­ten Aggres­si­on der Regie­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu wider­ste­hen«, betont die Regie­rung in Havanna.