“Nues­tra Amé­ri­ca Con­voy” für Cuba

By Published On: April 5, 2026Cate­go­ries: News

Hot­House hat gemein­sam mit den in Havan­na ansäs­si­gen Fil­me­ma­chern Amil­car Ren­so­li und Mens­fe­si Ever­s­lay den Kon­voi doku­men­tiert – das Video ist über den obi­gen Link auf You­Tube zu sehen. Es han­delt sich um einen Roh­schnitt ohne Unter­ti­tel – falls jemand die Mög­lich­keit hat, das Video wei­ter zu über­ar­bei­ten und Unter­ti­tel hin­zu­zu­fü­gen, lasst es uns bit­te wissen.

Wir stel­len den Film zur Ver­fü­gung in der Hoff­nung, dass er zu den lau­fen­den Soli­da­ri­täts­be­mü­hun­gen mit Kuba beiträgt.

 

Bericht vom Sekre­ta­ri­at der “Pro­gres­si­ven Inter­na­tio­na­len” zu den Ereig­nis­sen rund um den Hilfs­kon­voi “Nues­tra America”:

Die Fins­ter­nis geis­tert über Havanna.

Von einem Moment auf den ande­ren ver­sin­ken gan­ze Stra­ßen in völ­li­ger Dun­kel­heit – die vor­her­seh­ba­re Fol­ge einer US-Blo­ck­a­­de mit dem Ziel, das kuba­ni­sche Volk in die Unter­wer­fung zu zwingen.

Aber es gibt Hoffnung.

Im März ström­ten Flug­zeu­ge, Schif­fe und Dele­ga­tio­nen aus aller Welt in Kubas Haupt­stadt. Am Flug­ha­fen José Mar­tí stan­den Kof­fer vol­ler Anti­bio­ti­ka, Krebs­me­di­ka­men­te und chir­ur­gi­schem Mate­ri­al in lan­gen Rei­hen quer durch die Ankunfts­hal­le. Auf See durch­quer­ten Boo­te die Kari­bik, wur­den jedoch wet­ter­be­dingt auf­ge­hal­ten, bevor sie schließ­lich in Havan­na anleg­ten. Bei deren Ankunft wur­den Solar­mo­du­le und Gene­ra­to­ren an Land und umge­hend zu Kran­ken­häu­sern, die die Grund­ver­sor­gung kaum auf­recht­erhal­ten konn­ten, gebracht.

Der „Nues­tra América“-Konvoi war eingetroffen.

Von Mai­land bis Mexi­­ko-Stadt, von kari­bi­schen Häfen bis in die Stra­ßen von Havan­na brach­ten mehr als 600 Dele­gier­te über 35 Ton­nen Hilfs­gü­ter – Medi­ka­men­te, Lebens­mit­tel und Gerä­te für die Strom­erzeu­gung – auf eine Insel, die durch mona­te­lan­ge ver­schärf­te Wirt­schafts­sank­tio­nen an den Rand des Abgrunds gedrängt wor­den war. Die Güter erreich­ten Kli­ni­ken und Sta­tio­nen, die ihre Ver­sor­gung bereits ein­ge­schränkt hat­ten. Die Ärzt*innen erhiel­ten Aus­rüs­tung, um auch wäh­rend des nächs­ten Strom­aus­falls Licht zu haben.

Als sich die Dele­gier­ten am Sams­tag, dem 21. März 2026, in Havan­na ver­sam­mel­ten, fan­den par­al­lel dazu in meh­re­ren Städ­ten welt­weit ähn­li­che Ver­an­stal­tun­gen statt. Vor US-Bot­­schaf­­ten und auf öffent­li­chen Plät­zen – in Lon­don, Dub­lin, Madrid, Mexi­­ko-Stadt, Athen, Wien, Syd­ney, Johan­nes­burg und vie­len ande­ren Städ­ten – ver­sam­mel­ten sich Demonstrant*innen mit einer gemein­sa­men For­de­rung: Die Bela­ge­rung zu beenden.

Gleich­zei­tig gelang­te der Kon­voi wei­ter als jede ein­zel­ne Demons­tra­ti­on es jemals könnte.

In Mai­land stan­den Rei­hen von mit Medi­ka­men­ten gefüll­ten Kof­fern im Flug­ha­fen­ge­bäu­de und wur­den gefilmt und geteilt, wäh­rend sich die Dele­gier­ten auf ihren Abflug mit einem Char­ter­flug vor­be­rei­te­ten. Eini­ge Tage spä­ter tauch­ten in Havan­na Boo­te am Hori­zont auf; ihre Ankunft wur­de von den Medi­en auf­ge­zeich­net und weit über die Insel hin­aus aus­ge­strahlt. Von über­all in Havan­na – bei Pres­se­kon­fe­ren­zen, Kon­zer­ten und in Kran­ken­häu­sern – ver­brei­te­ten sich Inter­views mit Organisator*innen und Mitstreiter*innen rasch in den sozia­len Medi­en und tru­gen die Berich­te sogar dort­hin, wo Kuba sonst kaum Beach­tung findet.

Die Bil­der häuf­ten sich.

Im März gelang es dem Kon­voi meh­re­re Tage lang, die Infor­ma­ti­ons­blo­cka­de zu durch­bre­chen, die die Insel immer wie­der iso­liert. Analyst*innen in Kuba ver­zeich­ne­ten einen sprung­haf­ten Anstieg der digi­ta­len Inter­ak­ti­on, als die Nach­richt die Run­de mach­te – nicht nur als Kri­se, son­dern als Aktion.

Und das war noch nicht alles.

Die Nach­rich­ten­agen­tu­ren ver­brei­te­ten die Mel­dung welt­weit. Asso­cia­ted Press, Reu­ters und Agence France Pres­se berich­te­ten über den Umfang der Hil­fe­leis­tung und die dahin­ter ste­hen­de Koali­ti­on. Gro­ße Medi­en­häu­ser in ganz Euro­pa, Latein­ame­ri­ka und Nord­ame­ri­ka ver­folg­ten die Schif­fe und Flug­zeu­ge sowie deren Zusam­men­kunft in Havan­na. Als die Dele­gier­ten in die USA zurück­kehr­ten, beschlag­nahm­ten die Behör­den ihre Tele­fo­ne und befrag­ten die Teilnehmer*innen – eine Reak­ti­on, die deut­lich mach­te, wie die Mis­si­on wahr­ge­nom­men wurde.

Der Kon­voi hat­te etwas ver­än­dert. Mona­te­lang wur­de Kuba als ein Land im Zusam­men­bruch dar­ge­stellt – mit Ver­sor­gungs­eng­päs­sen, Strom­aus­fäl­len und Kri­sen –, wäh­rend die Poli­tik, die die­se Kri­se her­vor­ge­ru­fen hat­te, als weit ent­fern­ter Hin­ter­grund gehand­habt wur­de. Der Kon­voi trug dazu bei, die­se Poli­tik wie­der sicht­bar zu machen und zur Dis­kus­si­on zu stel­len. Dadurch wur­de die Situa­ti­on nicht mehr nur als huma­ni­tä­re Not­la­ge betrach­tet, son­dern als poli­ti­sche Fra­ge: Wer setzt die Bela­ge­rung durch, und wer ist bereit, sie zu durchbrechen?

Eini­ge Tage spä­ter wur­de die­se Fra­ge von einem Gedan­ken­spiel zur Realität.

Im Hafen von Mat­anz­as leg­te ein rus­si­scher Tan­ker – die Ana­to­ly Kolod­kin – mit mehr als 700.000 Bar­rel Roh­öl an; es han­del­te sich um die ers­te grö­ße­re Treib­stoff­lie­fe­rung, die Kuba seit Mona­ten erreicht hat. Nach­dem wochen­lan­ge Treib­stoff­eng­päs­se die Insel lahm­ge­legt hat­ten, wur­de dem Schiff die Durch­fahrt gestattet.

Die Erklä­rung aus Washing­ton fiel zurück­hal­tend aus: eine huma­ni­tä­re Aus­nah­me, kein Kurswechsel.

Andern­orts wur­den die Aus­wir­kun­gen jedoch offe­ner kom­men­tiert. Prä­si­den­tin Clau­dia Shein­baum bekräf­tig­te, dass Mexi­ko sich das Recht vor­be­hält, Kuba mit Treib­stoff zu ver­sor­gen – sei es im Rah­men huma­ni­tä­rer Hil­fe oder durch nor­ma­le Han­dels­ver­ein­ba­run­gen. Ande­re Regie­run­gen signa­li­sier­ten ähn­li­che Stand­punk­te, wenn auch zurück­hal­ten­der. Der schein­bar fest­ge­setz­te Spruch – „Es gibt ein Embar­go. Es gibt kein Öl. Es ist kein Geld da. Da ist gar nichts“, hat­te Trump am 16. Febru­ar an Bord der Air Force One geprahlt – begann zu verschwimmen.

Bei einer Pres­se­kon­fe­renz weni­ge Tage zuvor in Havan­na hat­te Jere­my Cor­byn die Fra­ge gestellt:

„Wenn Frank­reich, Deutsch­land und Groß­bri­tan­ni­en einen Öltan­ker beauf­tra­gen wür­den, nach Kuba zu fah­ren, um dort Öl zu lie­fern, wür­den die USA die­sen Öltan­ker dann wirk­lich bom­bar­die­ren? Wür­den sie die­sen Öltan­ker wirk­lich an der Durch­fahrt hindern?“

In Mat­anz­as muss­te die­se Fra­ge nicht mit Wor­ten beant­wor­tet wer­den. Ein Schiff war durch­ge­kom­men. Die Ladung wur­de an Land gepumpt. Die Hafen­ar­bei­ter beweg­ten sich über die Docks, Schläu­che wur­den vom Tan­ker zum Ter­mi­nal gelegt, als han­de­le es sich um eine ganz nor­ma­le Lie­fe­rung. In gewis­ser Wei­se war es das auch.

Ande­rer­seits han­del­te es sich um etwas ganz ande­res: einen Test, der nicht abge­bro­chen wor­den war.

Nichts davon löst die Kri­se. Die Lie­fe­rung wird Tage über­brü­cken, nicht Mona­te. In den Kran­ken­häu­sern wird der Strom wei­ter­hin ratio­niert. Die Apo­the­ken sind wei­ter­hin unter­ver­sorgt. Die Archi­tek­tur der Blo­cka­de – die, wie es in einem US-Memo­ran­­dum aus dem Jahr 1960 hieß, dar­auf abzielt, „Hun­ger, Ver­zweif­lung und den Sturz der Regie­rung“ her­bei­zu­füh­ren – prägt nach wie vor den All­tag. Doch die Lage hat sich geändert.

In Havan­na wer­den die Lich­ter wei­ter­hin aus­ge­hen. Doch nun wer­den sie wie­der ein­ge­schal­tet – in einem ande­ren poli­ti­schen Kli­ma, in dem die Bela­ge­rung umstrit­ten ist. Hil­fe kommt nicht als Wohl­tä­tig­keit, son­dern als Akt des Widerstands.

Treib­stoff­lie­fe­run­gen sind nicht mehr nur hypo­the­tisch mög­lich, son­dern haben bereits statt­ge­fun­den. Die Regie­run­gen wägen ihre Optio­nen anhand eines bereits sta­tu­ier­ten Exem­pels ab.

Am Hafen von Mat­anz­as fließt Öl in Lager­tanks. In den Kran­ken­haus­flu­ren sprin­gen die Not­strom­ag­gre­ga­te an, fal­len aus und sprin­gen wie­der an. Auf Han­dys – sofern die­se nicht beschlag­nahmt wur­den – kur­sie­ren wei­ter­hin Vide­os von Kof­fern, Boo­ten und Menschenmengen.

Stück für Stück beginnt der Anschein der Unaus­weich­lich­keit, der die Blo­cka­de auf­recht­erhal­ten hat, zu brö­ckeln. Denn in der Pra­xis hat sich gezeigt, dass sie durch­bro­chen wer­den kann.

In Soli­da­ri­tät,

Das Sekre­ta­ri­at der Pro­gres­si­ven Internationale