- Published On: Dezember 10, 2021Categories: News
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Gleichberechtigung der Geschlechter und Stärkung der Frauen In Cuba
Frauen haben seit jeher eine bedeutende Rolle in der cubanischen Revolution eingenommen, besonders auch beim Aufbau einer gerechten Gesellschaft.
Dieser Text gibt einen Überblick über die Errungenschaften in Bezug auf Gendergerechtigkeit. In den 1960er Jahren, kurz nach dem Sieg der Revolution, wurde gesetzlich festgelegt, dass Männer und Frauen den gleichen Lohn erhalten. Darüber hinaus wurde den Frauen das Recht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung garantiert, einschliesslich des Anspruchs auf einen selbstbestimmten, kostenlosen Schwangerschaftsabbruch.
In diese Zeit fällt auch die Gründung der Kubanischen Frauenföderation (FMC) und die aktive Einbindung der Frauen in den Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR). Zudem entstand die Zeitschrift „Mujeres“.
Das Familiengesetz von 1975 legt fest, dass Frauen und Männer in gleichem Ausmass für Haus- und Familienarbeit zuständig sind. Flächendeckende, kostenlose Kinderbetreuungseinrichtungen und Ganztagesschulen ermöglichen es Frauen und Männern gleichermassen, einer Lohnarbeit nachzugehen.
In den 80er Jahren entwickelte sich eine neue Verteidigungsstrategie. Dabei wurden die Milizen als Fundament der Landesverteidigung deutlich ausgeweitet, und Frauen nahmen zu gleichen Teilen daran teil.
Gleichzeitig wurden internationalistische Missionen verstärkt, die sich auf Alphabetisierung und Gesundheitsversorgung konzentrierten. Auch hier machten Frauen etwa die Hälfte der Beteiligten aus.
Mit der Gründung des Nationalen Zentrums für Sexualerziehung (CENESEX) im Jahr 1988 entstand eine bedeutende Institution, die sich für die Rechte von LGBTIQ+-Personen einsetzt. Darüber hinaus engagiert sich das Zentrum gegen geschlechterspezifische Gewalt und widmet sich der Prävention von häuslicher Gewalt.
Ein bezahlter Mutterschaftsurlaub von 18 Wochen wurde im Jahr 2003 gesetzlich verankert. Danach erhalten die Mutter oder der Vater, die sich für die Kinderbetreuung entscheiden, bis zum ersten Geburtstag des Kinds 60 Prozent ihres Lohnes – eine Leistung, die an die Grosseltern abgetreten werden kann. Danach besteht das Anrecht auf drei Monate unbezahlten Elternurlaub.
2021 trat das neue Gleichstellungsgesetz „Nationaler Plan zur Frauenförderung“ in Kraft, das sieben zentrale Aufgabenbereiche umfasst: ökonomisches Empowerment, das insbesondere die Stärkung von Frauen in der Landwirtschaft und im Privatsektor fördert, Medien- und Kommunikationspolitik, Bildungsgerechtigkeit, den Zugang zu Führungspositionen, Gesundheit sowie die Einrichtung einer Beobachtungsstelle für geschlechtsspezifische Gewalt.
2022 wurde ein sehr fortschrittliches Neues Familiengesetz in einer Volksabstimmung angenommen. Die gleichgeschlechtliche Ehe wurde legalisiert. Als Familie mit gleichen Rechten gilt jetzt jede in einem Haushalt zusammenlebende Gruppe von Menschen, unabhängig von sexueller Orientierung oder Geschlecht; unabhängig auch davon, ob durch Blutsverwandtschaft oder Freundschaft verbunden. Auch die alleinerziehende Mutter und ihr(e) Kind(er) sind eine Familie. Das Recht auf Adoption gilt für alle. Gleichzeitig wurden die Rechte von Kindern, Heranwachsenden sowie von älteren Personen und Menschen mit Beeinträchtigung gestärkt. Das neue Gesetz optimiert die Leitlinien der sexuellen und reproduktiven Rechte und baut den Schutz für Opfer von häuslicher Gewalt aus.
Im Mai 2025 entschied der Ministerrat, den persönlichen Betreuungsdienst für Familien mit schwerbehinderten Kindern künftig als anerkannten Beruf zu vergüten. Das bedeutet, dass Mütter, Väter, Grosseltern, sowie weitere Verwandte oder Betreuungspersonen, die sich um schwerbehinderte Kinder kümmern, Anspruch auf diese neue Regelung haben.
Cuba zählt laut den Vereinten Nationen zu den Ländern mit der grössten weiblichen Repräsentanz in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Institutionen.
Laut aktuellen Statistiken in Cuba (Onei) stellen Frauen 48 % der Gesamtbeschäftigten im zivilen Lohnarbeitssektor und in den Hochschulen sind Frauen mit 62% vertreten. Mehr als 70 % sind Berufsrichterinnen und Staatsanwältinnen. Der Anteil der cubanischen Frauen im Parlament beträgt 53,22 % und im Staatsrat 47,6 %. Die Zahlen zeigen, dass cubanische Frauen auf vielen Ebenen des Landes eine wichtige Rolle spielen. Dennoch zählen sie auf den höchsten Entscheidungsebenen oft nicht zu den Hauptakteurinnen. So werden etwa von den 199 wissenschaftlichen Forschungszentren des Landes 48 von Frauen geleitet, was einem Anteil von 24 % entspricht, obwohl Frauen 67,2 % der Fachkräfte und Techniker*innen und 78,5 % der Beschäftigten im Gesundheitswesen ausmachen. Ausserdem sind speziell im Bereich Wissenschaft und Technologie 53 Prozent des Forschungspersonals Frauen.
Die politische Partizipation in den Stadtvierteln wird meist von Frauen direkt in den Massenorganisationen ausgeübt, aber wie sieht es mit der Partizipation und Entscheidungsfindung auf höchster politischer Ebene aus? Es zeigt sich klar, dass Frauen in den meisten führenden Positionen selten im Mittelpunkt stehen. So sind etwa Frauen im Politbüro der Kommunistischen Partei Cubas deutlich unterrepräsentiert. Die Analyse des Ministerrats zeigt, dass es neben dem Ministerpräsidenten sechs stellvertretende Ministerpräsidenten gibt, von denen lediglich Inés María Chapman eine Frau ist. Von der Gesamtzahl der Minister (25), die bereits erwähnten stellvertretenden Ministerpräsidenten nicht mitgerechnet, sind nur sieben Frauen. In den 15 Provinzen Kubas wurden insgesamt elf Gouverneure und vier Gouverneurinnen gewählt. Zudem gibt es elf weibliche und vier männliche Vizegouverneure. Trotz erheblicher Fortschritte gibt es nach wie vor einige Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, bis die vollständige Gleichstellung von Frauen und Männern in Kuba erreicht ist.
Text: Cuba Solidarität Vilma Espín Zürich-Ostschweiz, 2026
