DIE REVOLUTION AUS DER SEELE

By Published On: Okto­ber 1, 2026Cate­go­ries: Kul­tur, News

La Haba­na, 2. Sept 2026 /Teatro de los Ele­ment­os, Cuma­na­ya­gua, Cuba/ Isn­oel Yanes Gon­zá­lez, Bache­lor in Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten und pro­fes­sio­nel­ler Schauspieler/

Ich gebe zu, dass ich ein lei­den­schaft­li­cher Ver­fech­ter der authen­tischs­ten Aspek­te der kuba­ni­schen Revo­lu­ti­on bin, ohne dabei die Feh­ler in die­sem Pro­zess aus den Augen zu ver­lie­ren. Ich set­ze mich auf jeder mög­li­chen Ebe­ne gegen Kor­rup­ti­on, Macht­miss­brauch, Nach­läs­sig­keit, Büro­kra­tie, das Feh­len einer effi­zi­en­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie, hoh­le Paro­len, auf­ge­bla­se­ne Ergeb­nis­se und die Ver­schleie­rung der tat­säch­li­chen Lage vor den Augen der Führer:innen des revo­lu­tio­nä­ren Pro­jekts ein — unter andern Grün­de, die eini­gen als Vor­wand gedient haben, die Sei­te zu wech­seln. Ich sage bewusst „Sei­te“, denn seit dem Sieg der kuba­ni­schen Revo­lu­ti­on sind wir einem hybri­den Krieg sei­tens des mäch­ti­gen Nach­barn im Nor­den, der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, ausgesetzt.

Mei­ne Stim­me ent­springt stets mei­nen eige­nen Lebens­er­fah­run­gen, einer Wahr­heit, die auf der Beob­ach­tung und Teil­nah­me an ver­schie­de­nen Pro­zes­sen in Kuba basiert, das sich für eine gerech­te­re Gesell­schaft ein­setzt. Ich bin der Sohn von Arbeiter:innen, die mir schon als Kind die Wer­te eines Sys­tems ver­mit­telt haben, das den Men­schen in den Mit­tel­punkt stell­te, in dem alle die glei­chen Rech­te und Chan­cen hat­ten, unab­hän­gig von sozia­ler Klas­se, Haut­far­be, Ein­kom­mens­ni­veau und Geschlecht. Und wenn ich mich heu­te als enga­gier­ter pro­fes­sio­nel­ler Künst­ler erfüllt füh­le, dann ist dies zwei­fel­los den gro­ßen Ent­schei­dun­gen zu ver­dan­ken, die seit Beginn der Revo­lu­ti­on getrof­fen wur­den – einer regel­rech­ten KULTURELLEN REVOLUTION, deren Fun­da­ment die natio­na­le Alpha­be­ti­sie­rungs­kam­pa­gne von 1961 bil­de­te, eben­so wie die künst­le­ri­schen Aus­bil­dungs­kur­se in bedeu­ten­den Hotels der Haupt­stadt: im Hotel Haba­na Lib­re, im Copa­ca­ba­na und im Como­do­ro, sowie das Natio­nal­thea­ter von Kuba, eben­falls im Jahr 1961, die die Grund­la­gen für die Grün­dung der Natio­na­len Kunst­schu­le im Jahr 1962 und des Insti­tu­to Supe­ri­or de Arte im Jahr 1976 (Uni­ver­si­tät der Küns­te) schu­fen. Dank all des­sen war die Kunst nicht län­ger ein Pri­vi­leg einer Eli­te, son­dern wur­de zu einem Recht des Vol­kes, unab­hän­gig von sozia­lem Sta­tus, beruf­li­cher Stel­lung oder Bildungsstand.

Die Türen der Kunst­schu­len stan­den allen offen, die eine Beru­fung ver­spür­ten – ganz gleich, ob sie aus einer Groß­stadt kamen oder aus den ent­le­gens­ten Win­keln der Ber­ge oder Ebe­nen. Hun­der­te von Lehr­kräf­ten und Künst­lern wur­den aus­ge­bil­det, die in den ers­ten Jah­ren nach dem Sieg der Revo­lu­ti­on eine rei­che Spi­ri­tua­li­tät, Urteils­ver­mö­gen und ALLGEMEINBILDUNG schu­fen, die wei­te Tei­le unse­rer Gesell­schaft erfass­ten. Ich per­sön­lich glau­be, dass ich das Ergeb­nis die­ser gro­ßen kul­tu­rel­len und bil­dungs­po­li­ti­schen Wel­le bin. In mei­ner Fami­lie gab es kei­ner­lei künst­le­ri­sche Vor­läu­fer oder Tra­di­ti­on; dank die­ser Pro­gram­me der Revo­lu­ti­on kam ich 1987 an die Natio­na­le Kunst­schu­le und konn­te 1991 mei­nen Abschluss machen, gera­de als das Land auf­grund des Zusam­men­bruchs des sozia­lis­ti­schen Lagers im sel­ben Jahr – das 85 Pro­zent sei­nes Mark­tes aus­mach­te – in eine tie­fe Wirt­schafts­kri­se geriet. Der Zer­fall der Sowjet­uni­on und die kri­mi­nel­le Blo­cka­de durch die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ver­setz­ten Kuba einen schwe­ren Schlag, sodass es sich unter sehr schwie­ri­gen Bedin­gun­gen neu erfin­den muss­te – etwas, das wir Kubaner:innen zuvor noch nicht erlebt hat­ten. Denn obwohl es immer einen Man­gel an Pro­duk­ten gab, die die Attrak­ti­vi­tät und Qua­li­tät der kapi­ta­lis­ti­schen Märk­te auf­wie­sen, ver­füg­ten die Kubaner:innen doch über das Nötigs­te, um ein wür­di­ges Leben unter ein­fa­chen, aber wür­de­vol­len Bedin­gun­gen, und schuf Raum für Wachs­tum und per­sön­li­che Entfaltung.

Der Ein­tritt Kubas in die soge­nann­te „Son­der­pe­ri­ode“ riss tie­fe Spal­ten in die Moral und die seit Jahr­zehn­ten ver­tei­dig­ten Wer­te. Es war eine Zeit der Angst, gro­ßer Unsi­cher­heit, des Über­le­bens um jeden Preis und unglaub­li­chen Wider­stands gegen­über dem Nach­barn im Nor­den, der durch den Zusam­men­bruch des sozia­lis­ti­schen Lagers ermu­tigt war und bereit war, dem Kuba von Fidel Cas­tro, das nun auf sich allein gestellt war und eine aus­ge­präg­te anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Poli­tik ver­folg­te, den end­gül­ti­gen Todes­stoß zu ver­set­zen. Unter die­sen kom­ple­xen Umstän­den ent­stand das „Tea­t­ro de los Ele­ment­os“, ein Gemein­schafts­pro­jekt, des­sen Grün­der ich gemein­sam mit dem Meis­ter José Ori­ol Gon­zá­lez Mar­tí­nez bin. Von Anfang an war es des­sen Auf­ga­be, die abge­le­gens­ten Gemein­den in länd­li­chen Gebie­ten oder Städ­ten zu errei­chen, um den Geschich­ten, Kon­flik­ten und Träu­men ihrer Bewoh­ner durch einen kol­lek­ti­ven Schaf­fens­pro­zess eine Stim­me zu geben, in des­sen Rah­men krea­ti­ve Work­shops mit den ver­schie­de­nen Bevöl­ke­rungs­grup­pen koor­di­niert wur­den, die sie betref­fen­den Pro­ble­me ein­ge­hend unter­sucht wur­den und ein Aus­tausch ent­stand, zu dem wir nicht als Kolo­ni­sa­to­ren oder als „Bes­ser­wis­ser“ kamen, son­dern mit dem Wunsch, neue Erkennt­nis­se auf­zu­neh­men und das Wis­sen sowie die KULTUR jeder Gemein­schaft wert­zu­schät­zen. In einer für das Land so schwie­ri­gen Zeit beschlos­sen Mil­lio­nen Kubaner:innen, sich für die Bewah­rung des Authen­tischs­ten der Revo­lu­ti­on ein­zu­set­zen, deren Mit­tel­punkt seit ihrem Sieg der Mensch war, und zu ihnen gehör­te auch unser Pro­jekt „Tea­t­ro de los Ele­ment­os“, das in den ers­ten fünf Jah­ren als Wan­der­thea­ter unter­wegs war, bis wir 1996 began­nen, unse­re Kul­tur­ge­mein­schaft in den Vor­ge­birgs­re­gio­nen der Gemein­de Cuma­na­ya­gua in der Pro­vinz Cien­fue­gos auf­zu­bau­en. Bereits bis dahin waren wir mit Pro­jek­ten in abge­le­ge­nen Gemein­den der Isla de la Juventud, in Havan­na und Sant­ia­go de Cuba, in Slums, Gefäng­nis­sen, reli­giö­sen Gemein­schaf­ten, Kran­ken­häu­sern und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen präsent.

In den 90er Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts öff­ne­te sich die revo­lu­tio­nä­re Regie­rung für aus­län­di­sche Inves­ti­tio­nen, lei­te­te eine schritt­wei­se Ent­wick­lung des Tou­ris­mus ein, such­te nach neu­en Märk­ten und locker­te die Devi­sen­be­stim­mun­gen – neben wei­te­ren wirt­schaft­li­chen und sozia­len Maß­nah­men –, um die wich­tigs­ten sozia­len Errun­gen­schaf­ten wie Bil­dung, öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen, das Recht auf men­­schen-wür­­di­­ge Arbeit, eine gerech­te Ver­tei­lung der Güter und die Unter­stüt­zung der am stärks­ten benach­tei­lig­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pen zu bewahren.

Im ers­ten Jahr­zehnt des 21. Jahr­hun­derts zeich­ne­te sich bereits eine Sta­bi­li­sie­rung des Lan­des ab, eine gewis­se wirt­schaft­li­che Ver­bes­se­rung, die sich mit dem Amts­an­tritt von Barack Oba­ma in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten kon­kre­ti­sier­te, der in sei­ner zwei­ten Amts­zeit die VERBRECHERISCHE BLOCKADE gegen Kuba locker­te und am 20. Juli 2015 die diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen wie­der­her­stell­te, was bereits am 17. Dezem­ber 2014 ange­kün­digt wor­den war, in einer gleich­zei­tig ver­ein­bar­ten Erklä­rung der Prä­si­den­ten bei­der Län­der, die Mil­lio­nen Kubaner:innen, US-Amerikaner:innen und soli­da­ri­schen Men­schen auf der gan­zen Welt Hoff­nung gab, die die­se Annä­he­rung posi­tiv bewer­te­ten – es bot sich eine Chan­ce für gute Nach­bar­schaft, Zusam­men­ar­beit in zahl­rei­chen Berei­chen, Wachs­tum und gegen­sei­ti­gen Nutzen.

Und genau so war es auch: Mit der Locke­rung der völ­ker­mör­de­ri­schen Blo­cka­de kamen eini­ge US-ame­ri­­ka­­ni­­sche Unter­neh­men nach Kuba, Tau­sen­de von US-Amerikaner:innen konn­ten nach Kuba rei­sen, und Tau­sen­de von Kubaner:innen reis­ten in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten – so ent­stand zwi­schen 2015, 2016 und einem Teil des Jah­res 2017 ein frucht­ba­rer Aus­tausch von Volk zu Volk.

Dank der Poli­tik Oba­mas, der – wie ich zuge­ben muss – die Sym­pa­thie von Mil­lio­nen Kubaner:innen gewann, konn­ten Hun­der­te von Künstler:innen, Wissenschaftler:innen, Unternehmer:innen und Student:innen in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten rei­sen, dar­un­ter auch ich, der ich 2017 mein Visum für einen Kul­tur­aus­tausch mit der Uni­ver­si­ty of Mary­land erhielt, und in Miami einen Bru­der umar­men konn­te, den ich seit drei­ßig Jah­ren nicht mehr gese­hen hat­te – zu einer Zeit, als noch etwas von der Locke­rung durch den ers­ten schwar­zen Prä­si­den­ten der Super­macht im Nor­den übrig war, Maß­nah­men, die noch im sel­ben Jahr durch die ers­te Amts­zeit des Pädo­phi­len Donald Trump rück­gän­gig gemacht wurden.

Oba­mas Maß­nah­men gegen­über Kuba haben ein­mal mehr gezeigt, dass der Haupt­grund, der die Ent­wick­lung und das Wohl­erge­hen unse­res Lan­des behin­dert, die MORDISCHE BLOCKADE ist, die die Ver­ei­nig­ten Staa­ten auf­recht­erhal­ten. Wer die größ­te der Antil­len zu die­ser Zeit besuch­te, konn­te Anzei­chen von Wohl­stand und Wachs­tum der Pri­­vat-wir­t­­schaft beob­ach­ten, ohne dass dabei die Inter­es­sen der gro­ßen Mehr­heit ver­nach­läs­sigt wur­den, sowie eine Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät und der Kauf­kraft. Im „Tea­t­ro de los Ele­ment­os“ konn­ten wir unse­re tou­ris­ti­sche Rou­te „Jobe­ro Ver­de, Kunst und Leben“ fes­ti­gen und Hun­der­te von US-Amerikaner:innen in unse­rem Haus emp­fan­gen, die uns mit Applaus und Umar­mun­gen dafür dank­ten, dass wir ihnen das wah­re Kuba gezeigt haben – ein Land, das reich an Spi­ri­tua­li­tät und Kul­tur ist, soli­da­risch und respekt­voll gegen­über dem Anders­ar­ti­gen. Und das geschah bereits mit nur einer gering­fü­gi­gen Locke­rung, was mich dar­über nach­den­ken lässt, wie unser sozia­lis­ti­sches Kuba ohne die­sen grau­sa­men Völ­ker­mord aus­se­hen wür­de; denn wie ich ein­gangs sag­te: Ja, es gibt auch inter­ne Män­gel, wie es sie in jedem ande­ren Land geben kann, aber sie sind nicht die Ursa­che für die Not der Kubaner:innen – die Haupt­ur­sa­che ist nach wie vor die Wirtschafts‑, Han­­dels- und Finanzblockade.

Mit dem Amts­an­tritt von Donald Trump am 20. Janu­ar 2017 wur­de die von Oba­ma vor­an­ge­trie­be­ne Annä­he­rung zunich­te gemacht, und die aggres­si­ve Poli­tik gegen­über Kuba ver­schärf­te sich – gera­de als im Jahr 2020 die ers­ten Fäl­le von COVID-19 bekannt wur­den und das Land begann, den Angrif­fen einer Pan­de­mie zu wider­ste­hen, die inner­halb von drei Jah­ren mehr als 8.000 Todes­fäl­le for­der­te. Doch selbst das konn­te den Wider­stand der Kubaner:innen nicht bre­chen: Unse­re Wissenschaftler:innen ent­wi­ckel­ten drei Impf­stof­fe, die dazu bei­tru­gen, Tau­sen­de von Men­schen­le­ben zu ret­ten, und die kuba­ni­sche Gesell­schaft orga­ni­sier­te sich, um sich um die Kran­ken zu küm­mern – trotz der knap­pen ver­füg­ba­ren Ressourcen.

Das „Tea­t­ro de los Ele­ment­os“ nutz­te die Krea­ti­vi­tät sei­ner Mit­glie­der, um unter Ein­hal­tung der Hygie­ne­maß­nah­men vor die Haus­tü­ren zu tre­ten und münd­li­che Erzäh­lun­gen, Gedich­te und Lie­der zu tei­len. Mit einem offe­nen Ohr für die Bedürf­nis­se und Kon­flik­te jeder Fami­lie über­brach­te es stets eine Bot­schaft der Ermu­ti­gung und Hoff­nung, trotz der kom­ple­xen Lage auf das Leben zu setzen.

Der Amts­an­tritt von Joe Biden im Jahr 2021 änder­te nichts an der aggres­si­ven Poli­tik gegen­über Kuba; der star­ke Druck auf die kuba­ni­sche Wirt­schaft wur­de auf­recht­erhal­ten, und sei­ne Ver­spre­chen eines Kurs­wech­sels gegen­über Trump blie­ben blo­ße Wor­te, da die Inter­es­sen der Extre­mis­ten „kuba­ni­scher Her­kunft“, die vor allem in Flo­ri­da leben, mehr Gewicht hat­ten. Anschei­nend ver­such­te der demo­kra­ti­sche Prä­si­dent, sich die Stim­men der kuba­ni­schen Gemein­schaft in die­sem Bun­des­staat für eine hypo­the­ti­sche Wie­der­wahl oder einen Kan­di­da­ten sei­ner Par­tei zu sichern, doch das reich­te nicht aus, um ihm den begehr­ten Bun­des­staat zu sichern, den die Repu­bli­ka­ner bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len 2024 gewan­nen, wodurch Donald Trump im Janu­ar 2025 erneut ins Prä­si­den­ten­amt zurückkehrte.

Und mit die­ser neu­en Amts­zeit des Pädo­phi­len Donald Trump, der eng von einer fins­te­ren Gestalt wie Mar­co Rubio beglei­tet wird, der das Amt des Außen­mi­nis­ters beklei­det, beginnt eine weit­aus aggres­si­ve­re und völ­ker­mör­de­ri­sche­re Pha­se der Blo­cka­de gegen Kuba, indem dem Land eine Ener­gie­blo­cka­de auf­er­legt wird und Län­der, die es wag­ten, Öl in unser Land zu expor­tie­ren, mit Zöl­len bestraft wur­den. ein Bei­spiel dafür war der staat­li­che mexi­ka­ni­sche Ölkon­zern Pem­ex, hin­zu kam die Ent­füh­rung von Nicolás Madu­ro in Vene­zue­la, die die Zusam­men­ar­beit mit Kuba völ­lig ver­än­der­te, sowie der nach­ge­wie­se­ne Ver­rat sei­tens des „Cha­vis­mus“ durch Straf­maß­nah­men gegen jede Ree­de­rei, die Koh­len­was­ser­stof­fe trans­por­tier­te, und durch die Ver­hän­gung har­ter Sank­tio­nen gegen Unter­neh­men, die Geschäf­te mit der Insel unter­hiel­ten. Dies führ­te zu einer Abwan­de­rung aus­län­di­scher Unter­neh­men, wodurch die Tou­ris­mus­bran­che prak­tisch auf null schrumpf­te und Inves­ti­tio­nen in allen Sek­to­ren zum Erlie­gen kamen, was den Zusam­men­bruch der ohne­hin schon ange­schla­ge­nen natio­na­len Wirt­schaft zur Fol­ge hatte.

Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten haben sich eine tota­le Ersti­ckung zum Ziel gesetzt, eine Stran­gu­lie­rung des All­tags jeder Kubanerin/jedes Kuba­ners, indem sie exzes­si­ve Strom­aus­fäl­le und eine hohe Infla­ti­on her­bei­füh­ren, mit dem dar­aus resul­tie­ren­den Preis­an­stieg bei Grund­nah­rungs­mit­teln, der Ver­schlech­te­rung der Gesund­heits­ver­sor­gung auf­grund des Man­gels an Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en und Medi­ka­men­ten sowie der Abwan­de­rung von Hun­der­ten von Fach­kräf­ten aus die­sem Sek­tor – mit ande­ren Wor­ten: ein regel­rech­ter geno­zi­da­ler Schwarm, um Ent­mu­ti­gung zu schü­ren und einen Auf­stand gegen die revo­lu­tio­nä­re Regie­rung zu pro­vo­zie­ren. Eine tota­le Kriegs­er­klä­rung, bei der nur noch die mili­tä­ri­sche Inva­si­on fehlt – die ihrer Aus­sa­ge nach eben­falls zu den Optio­nen gehört –, denn der hybri­de Krieg umfasst alle Fron­ten: Wirt­schaft, Han­del, Finan­zen, Medi­en, Psy­cho­lo­gie, Ener­gie, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Kultur.

Man muss schon sehr unwis­send, naiv oder zynisch sein, um die ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen der BLOCKADE auf die Wirt­schaft und das Leben der Kubaner:innen nicht zu erken­nen – fra­gen Sie doch ein­fach die drei Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ten kuba­ni­scher Her­kunft aus den Rei­hen der Repu­bli­ka­ner oder den rechts­extre­men und rach­süch­ti­gen Mar­co Rubio, die sehr stolz auf die­se Aus­wir­kun­gen sind, denn das Leid der Kuba­ner und Kuba­ne­rin­nen inter­es­siert sie über­haupt nicht, sie suchen ledig­lich nach Wegen, ihre poli­ti­schen Ambi­tio­nen vor­an­zu­trei­ben, an Ein­fluss zu gewin­nen und auf Kos­ten die­ser kri­mi­nel­len Poli­tik Geld zu verdienen.

Die kuba­ni­sche Regie­rung ist nicht untä­tig geblie­ben und hat sich stär­ker für aus­län­di­sche Inves­ti­tio­nen und pri­va­te Initia­ti­ven geöff­net. Für man­che sind dies ver­spä­te­te Maß­nah­men, die dar­auf abzie­len, die wich­tigs­ten sozia­len Errun­gen­schaf­ten zu bewah­ren, wäh­rend in Flo­ri­da ein Teil der kuba­nisch­stäm­mi­gen Gemein­schaft beginnt, eine Poli­tik kri­tisch zu betrach­ten, die ihre Ange­hö­ri­gen in Kuba betrifft, und sich ver­ra­ten füh­len, denn vie­le Kubaner:innen, die in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten aus­ge­wan­dert sind – anstän­di­ge Men­schen, vor­bild­li­che Arbeiter:innen –, wur­den Opfer von Über­grif­fen durch die repres­si­ve und kri­mi­nel­le Behör­de ICE, die Lands­leu­te ohne jeg­li­che Garan­tien in Dritt­län­der abschiebt und dabei ihre Men­schen­wür­de ver­letzt. Dies hat zu einer star­ken Ableh­nung sei­tens der vor allem in Flo­ri­da ansäs­si­gen Gemein­schaft geführt, die nun beginnt, ihre Wahl­ent­schei­dung zu über­den­ken, bei den Zwi­schen­wah­len im Novem­ber die­ses Jah­res sowie bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len 2028 zuguns­ten der Demo­kra­ti­schen Partei.

Es stimmt, dass das heu­ti­ge Kuba zer­split­tert ist, vie­le Men­schen sind erschöpft und den­ken nur dar­an, wie sie eine Mahl­zeit auf den Tisch brin­gen, wie sie ihre Kin­der mit Schu­hen aus­stat­ten und wie sie sich jede Nacht trotz der drü­cken­den Hit­ze, der Mücken und der end­lo­sen Strom­aus­fäl­le aus­ru­hen kön­nen. Der erdrü­cken­de All­tag hat ihnen den Atem geraubt, wei­ter von einer gerech­te­ren Gesell­schaft zu träu­men, mit einem     sou­ve­rä­nen Pro­jekt, das auf alle setzt. Aber es gibt auch die­je­ni­gen unter uns, die die­se Wider­stands­fä­hig­keit beschwö­ren, um wei­ter­hin das Bes­te für Kuba zu geben – ohne sich dem Nach­barn im Nor­den unter­zu­ord­nen –, im Ver­trau­en auf die Rich­tig­keit eines Traums, der 1959 begann. Bei­spie­le gibt es zuhauf: Da ist die wun­der­ba­re Arbeit unse­rer Wissen-schaftler:innen, der Elektriker:innen, die sich in den ver­al­te­ten Kraft­wer­ken neu erfin­den, die uner­müd­li­chen Pädagog:innenen, die auf­op­fe­rungs­vol­len Ärzt:innen, die in den Kran­ken­häu­sern prak­tisch ohne Mit­tel uner­müd­lich Leben ret­ten, und aus dem Kul­tur­be­reich, wie das „Tea­t­ro de los Ele­ment­os“, einer Insti­tu­ti­on, der ich ange­hö­re, wer­den den Geschich­ten und Gefüh­len der Gemein­schaf­ten, mit denen es inter­agiert, eine Stim­me gege­ben, indem es deren Schmer­zen, Freu­den und Hoff­nun­gen zum Aus­druck bringt. Es sind kom­ple­xe Zei­ten, aber Zei­ten, in denen man sein Herz­blut in das steckt, was man tut.

Die inter­na­tio­na­le Rech­te ist gut orga­ni­siert und geschlos­sen: Poli­ti­sche Par­tei­en aus ver­schie­de­nen Län­dern koor­di­nie­ren ihre Poli­tik, grün­den radi­ka­le Stif­tun­gen, Medi­en, Influen­cer, sozia­le Netz­wer­ke und Geheim­diens­te wie die US-ame­ri­­ka­­ni­­sche CIA und den israe­li­schen Mos­sad, um jede lin­ke Regie­rung oder Bewe­gung welt­weit zu brem­sen. Es ist an der Zeit, dass die lin­ken und pro­gres­si­ven Par­tei­en ihre Stand­punk­te bün­deln und sich nicht in über­flüs­si­gen Inter­pre­ta­tio­nen ver­zet­teln, um gemein­sam mit den Mil­lio­nen auf­rich­ti­gen Men­schen die­ser Welt der faschis­ti­schen und völ­ker­mör­de­ri­schen Wel­le der USA und Isra­els, beglei­tet von ihren west­li­chen Ver­bün­de­ten, die Stirn zu bieten.

Wir ver­die­nen eine bes­se­re Welt, und die­se müs­sen wir jeden Tag auf­bau­en, indem wir einen Baum pflan­zen, jede Unge­rech­tig­keit furcht­los anpran­gern, US-ame­ri­­ka­­ni­­sche Pro­duk­te und Unter­neh­men boy­kot­tie­ren, die die impe­ria­le Poli­tik der USA unter­stüt­zen – jede Hand­lung zählt, jeder Traum zählt, jeder Mensch zählt, und das müs­sen wir aus tiefs­ter See­le verteidigen.