Kuba: «Nein, und tau­send­mal nein, Kapi­tu­la­ti­on war nie­mals eine Option»

By Published On: Febru­ar 15, 2026Cate­go­ries: News

Kuba: «Nein, und tau­send­mal nein, Kapi­tu­la­ti­on war nie­mals eine Option»

Mit­ten in der Eupho­rie um ihre Aggres­si­on gegen Vene­zue­la läu­te­ten Trump und Mar­co Rubio den Unter­gang Kubas ein. Nach 67 Jah­ren Wider­stand gegen das Impe­ri­um sei die kuba­ni­sche Revo­lu­ti­on angeb­lich been­det. Kuba wer­de noch in die­sem Jahr fal­len, ver­kün­de­te die US-Regie­rung täg­lich und in jedem erdenk­li­chen Ton. Die ewi­gen Has­ser in Miami und anders­wo sowie unzäh­li­ge Stim­men und Federn, die uner­müd­lich spra­chen und schrie­ben, bekräf­tig­ten die­se Ansicht.

von MAÏTÉ PINERO, 4. Febru­ar 2026

Wäh­rend der Vor­hang über den Trüm­mern und dem Mas­sa­ker in Gaza fällt und der Völ­ker­mord dort mit oder ohne Rake­ten­an­grif­fe wei­ter­geht, rich­ten sich die Bli­cke auf Kuba. Die [Mainstream-]Medien müs­sen die The­men vari­ie­ren, um die Auf­merk­sam­keit der Leser zu fes­seln. Die ver­kün­de­ten Tra­gö­di­en sind wie Lecke­rei­en, die einen wah­ren Tin­ten­fluss erzeu­gen. Zwei Arti­kel in der fran­zö­si­schen Zei­tung Le Mon­de tra­gen die Über­schrif­ten: «In den Stras­sen von Havan­na, einer Geis­ter­stadt, ver­wüs­tet von Man­gel und ame­ri­ka­ni­schen Dro­hun­gen» und «Das Leben ist unmög­lich: Es bleibt nichts ande­res übrig, als zu fliehen.»

«Aqui no se rin­de nadie»: Nie­mand gibt hier auf

Wo waren die­se «Exper­ten», als in Kuba unter der Füh­rung von Prä­si­dent Díaz-Canel der tra­di­tio­nel­le Fackel­zug die Stu­fen der Uni­ver­si­tät hin­ab­zog? Als Havan­na und ande­re Städ­te vol­ler Trau­er und Wut gegen die Aggres­si­on in Vene­zue­la demons­trier­ten? Als die Bevöl­ke­rung der Haupt­stadt auf bei­den Sei­ten der Ave­ni­da Boye­ros in eisi­ger Stil­le der 32 Kuba­ner gedach­te, die mit Waf­fen in der Hand im Diens­te der Sou­ve­rä­ni­tät von Bolí­vars Land gefal­len waren? Als am nächs­ten Tag eine kilo­me­ter­lan­ge Schlan­ge vor ihren Urnen war­te­te, um ihnen die letz­te Ehre zu erwei­sen? Als ihre Beer­di­gun­gen in ihren Hei­mat­städ­ten Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen aus­lös­ten und so vie­le Ver­spre­chen, Wider­stand zu leis­ten, ein wei­te­res Mal Wider­stand zu leisten.

Aber das Pro­blem ist: Die Öffent­lich­keit darf nicht über die­sen unglaub­li­chen kuba­ni­schen Wider­stand infor­miert wer­den, über die­sen unbän­di­gen Wil­len, allen Wid­rig­kei­ten zu trot­zen, allen vor­an die­ser US-Blo­ck­a­­de – der längs­ten, grau­sams­ten und unge­rech­tes­ten der Geschich­te, ver­schärft durch die immer wie­der­keh­ren­den Hur­ri­ka­ne und uner­bitt­lich immer wei­ter ange­zo­gen. Und die regel­mäs­si­ge Ver­ur­tei­lung durch die UNO wird selbst­ver­ständ­lich jeweils nur kurz erwähnt.

Das Anlie­gen, Wer­te der Soli­da­ri­tät zu ver­tei­di­gen, wenn sie über­all sonst zusam­men­bre­chen, Errun­gen­schaf­ten in Bil­dung, Gesund­heit und Kul­tur zu bewah­ren, wenn sie über­all sonst in Fra­ge gestellt wer­den, soll unter­drückt, geleug­net und aus­ge­löscht werden.

Die­ses sel­te­ne Wun­der, das zumin­dest unse­re Neu­gier wecken und Anlass zu vie­len Dis­kus­sio­nen geben soll­te, wird beharr­lich igno­riert. Wir sind empört über die­se mit­tel­mäs­si­gen jour­na­lis­ti­schen Bei­trä­ge, die den kuba­ni­schen Wider­stand zen­sie­ren und Kuba und die Intel­li­genz belei­di­gen, indem sie ein Volk so dar­stel­len, als hät­te es bereits resi­gniert, als sei es bereits besiegt und war­te auf den fina­len Schlag. Die Demons­tra­tio­nen, die Musik und die Lie­der, die offi­zi­el­len und inof­fi­zi­el­len Reden ver­kün­den: Nein, und tau­send­mal nein, «Kapi­tu­la­ti­on war nie­mals eine Option».

Die Papa­gei­en des Impe­ri­ums, sei­ne gefie­der­ten Lakai­en und die unwis­sen­den Kohor­ten ver­ken­nen das eigent­li­che Pro­blem: In Kuba spielt sich seit 1959 und auf dem Höhe­punkt der aktu­el­len Offen­si­ve des Weis­sen Hau­ses eine Tra­gö­die ab, eine Her­aus­for­de­rung der mensch­li­chen Ehre.

Die Grau­sam­keit der Blockade

Die Empö­rung beim Lesen sol­cher Zei­len rührt nicht von der Situa­ti­on selbst her. Hät­ten die­se Schrei­ber­lin­ge den Anstand beses­sen, offi­zi­el­le Doku­men­te ein­zu­se­hen, hät­ten sie dort mehr Sub­stanz gefun­den. Die letz­te Sit­zung des Zen­tral­ko­mi­tees der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Kubas ana­ly­sier­te die kri­ti­sche Lage umfas­send. Der öffent­li­che Nah­ver­kehr deckt nur­mehr 42 Pro­zent des Bedarfs des Lan­des ab, das Bau­ge­wer­be ist auf 41 Pro­zent ein­ge­bro­chen, und die Pro­duk­ti­on hat sich hal­biert. Auf­grund von Treib­stoff­man­gel sind die Müll­wa­gen aus­ser Betrieb, und der Müll türmt sich auf. Das Strom­de­fi­zit hat 2000 Mega­watt erreicht, und die Was­ser­ver­sor­gung ist beein­träch­tigt. Es herrscht Gas- und Strom­man­gel; das täg­li­che Leben ist ein Kampf. Und ja, wir wis­sen, dass man­che Fami­li­en nur eine Mahl­zeit am Tag zu sich neh­men und die Abwan­de­rung aus wirt­schaft­li­chen Grün­den das Land aus­blu­tet. Doch Kuba hält stand und ver­kün­det dies laut und deut­lich, erhebt sei­ne Stim­me bei den Ver­ein­ten Natio­nen, vor allen Regie­run­gen, allen Völ­kern, «in jedem erdenk­li­chen Raum», wie die Regie­rung erklärte.

Ja, die Wirt­schaft ist zusam­men­ge­bro­chen, und die Dro­hung, Län­der, die Öl nach Kuba lie­fern, mit Zöl­len zu bele­gen, zielt dar­auf ab, die Bevöl­ke­rung aus­zu­hun­gern und die Insel in die Stein­zeit zurück­zu­wer­fen. Knapp­heit, Wut und Ver­zweif­lung zu schü­ren, um Unru­hen und Auf­stän­de zu pro­vo­zie­ren – das ist das ver­bre­che­ri­sche und zyni­sche Rezept, das Trump vor der gan­zen Welt ver­kün­det hat. Kuba, rui­niert und vor allem gede­mü­tigt, muss fal­len, muss erneut ver­sklavt wer­den, und dies soll der gan­zen Welt, ins­be­son­de­re all jenen, die noch immer lei­den und kämp­fen, ein war­nen­des Bei­spiel sein.

Beweis für die Revolution

Soll­te das Impe­ri­um Erfolg haben, soll­te Kuba unter­ge­hen, wür­de eines der leuch­tends­ten Lich­ter der Welt erlö­schen. Kuba ist zur See­le der Revo­lu­ti­on gewor­den, zum Sym­bol dafür, dass unse­re Mensch­lich­keit nicht ewig zu Unglück und Leid ver­dammt ist, zum leben­di­gen Beweis, dass Hoff­nung exis­tiert und es sich lohnt, sie zu ver­tei­di­gen, selbst wenn alles ver­lo­ren scheint, wenn die Nie­der­la­ge unaus­weich­lich ist. Es gibt kei­ne Wor­te, um aus­zu­drü­cken, wel­che Bedeu­tung die­se Ener­gie, die­ser Mut für das gan­ze Land haben.

Die­se gros­se Hoff­nung, die seit jeher Fort­schritt­li­che beflü­gelt und Befrei­ungs­kämp­fe, Revo­lu­tio­nen und die gros­sen Eman­zi­pa­ti­ons­schlach­ten von Skla­ven, Frau­en und allen Unter­drück­ten ange­trie­ben hat, fand auf die­ser Insel einen Ort zum Erblü­hen. Kuba­ni­sche Ärz­te­bri­ga­den und Alpha­be­ti­sie­rungs­hel­fer haben die mensch­li­che Soli­da­ri­tät in der gan­zen Welt verbreitet.

Die gan­ze Welt steht in der Schuld Kubas. Die­se Revo­lu­ti­on gehört zwar zur Sphä­re die­ser Welt; sie ist kuba­nisch, aber sie gehört auch zu unse­rem gemein­sa­men Erbe.

Es ist das Impe­ri­um, das Kuba das Recht auf ein sou­ve­rä­nes Leben ver­wei­gert und es in einen Schüt­zen­gra­ben ver­wan­delt hat. Das Leben dort ist schlecht, immer schlech­ter, doch selbst nach dem Zusam­men­bruch der Wirt­schaft leis­tet die Gesell­schaft Wider­stand, denn die Hoff­nung Spar­ta­cus’, der Gigan­ten von 1789, derer der Pari­ser Kom­mu­ne, des Okto­ber 1917 und all jener der anti­ko­lo­nia­len Krie­ge lebt noch immer fort.

Soll­te Kuba fal­len, soll­te die­ses Boll­werk gegen die Grau­sam­keit des Impe­ri­ums wei­chen, müss­ten wir alle von vorn anfan­gen, als wären all die­se ver­gan­ge­nen Schlach­ten, die uns tra­gen und deren Fackel wir über­nom­men haben, ausgelöscht.

Das darf nicht gesche­hen. Kuba zu ver­tei­di­gen bedeu­tet auch heu­te noch nicht allein, Bil­dung trotz unzu­rei­chen­der Nah­rungs­mit­tel­ver­sor­gung, kos­ten­lo­se Gesund­heits­ver­sor­gung trotz Was­­ser- und Strom­aus­fäl­len, eine brei­te Kul­tur trotz Müll auf den Stras­sen, weg­wei­sen­de For­schung trotz zusam­men­ge­bro­che­nen Vier­teln und soli­da­ri­sche Medi­zin trotz feh­len­den Trans­port­mög­lich­kei­ten zu verteidigen.

Kuba zu ver­tei­di­gen bedeu­tet, jenen klei­nen Unter­schied zu ver­tei­di­gen, ob wir ihn nun Sozia­lis­mus nen­nen oder nicht, der die Wer­te, die uns inspi­rie­ren und die wir immer ver­tei­digt haben, in der gan­zen Welt erprobt und hoch­ge­hal­ten hat.

Nur 90 Mei­len vom ver­bre­che­rischs­ten Impe­ri­um der Geschich­te ent­fernt, so nah an Hai­ti – das wei­ter­hin mit Blut und Trä­nen für den Ruhm bezahlt, die ers­te schwar­ze Repu­blik der Welt und die ers­te fran­zö­si­sche Kolo­nie gewe­sen zu sein, die sich selbst befrei­te – bestimmt das Schick­sal die­ser klei­nen Insel mit 11 Mil­lio­nen Ein­woh­nern die Zukunft Latein­ame­ri­kas und auch unse­re eigene.

Die Ver­tei­di­gung Kubas steht für pro­gres­si­ve Kräf­te welt­weit ganz oben auf der Agen­da. Die Kuba­ner haben es immer wie­der gesagt: Sie wer­den nicht durch­kom­men! Sie rufen zur glo­ba­len Soli­da­ri­tät auf: Wir wer­den sie nicht durchlassen.

Maï­té Pine­ro ist Jour­na­lis­tin und Schrift­stel­le­rin. Als Latein­a­me­ri­­ka-Kor­­re­s­pon­­den­­tin (1984–1989) für L’Humanité berich­te­te sie über die Krie­ge in Nica­ra­gua, El Sal­va­dor und Gua­te­ma­la sowie über den Sturz von Dik­ta­tu­ren (Hai­ti, Chi­le, Para­gu­ay usw.). Sie führ­te zahl­rei­che Recher­chen zur Situa­ti­on von Stras­sen­kin­dern in Latein­ame­ri­ka durch und deck­te dabei ein Netz­werk für Kin­der­han­del auf, das Kin­der als Organ­spen­der miss­brauch­te (Le Mon­de Diplo­ma­tique, August 1992). Nach ihrer Zeit im sal­va­do­ria­ni­schen Dschun­gel begann sie, Kurz­ge­schich­ten zu schrei­ben (Tu Hur­lais Enco­re, Ate­lier Jul­li­ard). Sie ist stell­ver­tre­ten­de Chef­re­dak­to­rin der genos­sen­schaft­li­chen Zeit­schrift Viva.

Der Text wur­de aus Le Grand Soir übernommen.