Bei­stand für Havanna

By Published On: Febru­ar 19, 2026Cate­go­ries: News, US Blo­cka­de
Rus­si­sche Poli­ti­ker kündigen Öllieferungen an. Spa­ni­en schließt sich Hil­fen für Kuba an.

(Jun­ge­Welt, 18.02.2026 von Vol­ker Hermsdorf)

Washing­ton zieht die Dau­men­schrau­ben an. Anfang der Woche wie­der­hol­te US-Präsident Donald Trump sei­ne zyni­sche Behaup­tung, Kuba sei ein »geschei­ter­ter Staat«, in dem wegen Treib­stoff­man­gels jetzt sogar Flug­zeu­ge die Start­bah­nen blo­ckie­ren. Zusätzlich zu sei­ner noch ein­mal inten­si­vier­ten Blo­cka­de­po­li­tik geht das Trump-Regime auch vehe­men­ter gegen Kubas medi­zi­ni­sche Mis­sio­nen vor. Doch die inter­na­tio­na­le Solidarität mit der Bevölkerung der sozia­lis­ti­schen Kari­bik­in­sel wächst. So hat Spa­ni­en als ers­tes westeuropäisches Land kon­kre­te Hilfs­lie­fe­run­gen ange­bo­ten, Russ­land stellt neue Öllieferungen in Aus­sicht und erwägt offen­bar einen militärischen Schutz für Tanker.

An Bord der Präsidentenmaschine Air Force One erklärte Trump am Mon­tag (Orts­zeit) erneut, die USA würden mit Kuba ver­han­deln. Außen­mi­nis­ter Mar­co Rubio, der zu die­sem Zeit­punkt aller­dings mit Ungarns Ministerpräsidenten Vik­tor Orbán in Buda­pest kon­fe­rier­te, führe »gera­de jetzt Gespräche mit Kuba«, sag­te er gegenüber Jour­na­lis­ten. Zugleich for­der­te er Havan­na auf, sich »unbe­dingt« auf ein Abkom­men mit Washing­ton ein­zu­las­sen. Nahe­zu wort­gleich hat­te Trump sich bereits am 31. Janu­ar geäußert. Havan­na bestätigte die Dar­stel­lung auch dies­mal nicht. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hat aller­dings mehr­fach betont, sei­ne Regie­rung sei trotz jahr­zehn­te­lan­ger Blo­cka­de immer zu einem Dia­log bereit. Gespräche könnten jedoch nicht unter Dro­hun­gen statt­fin­den, son­dern nur »auf Augenhöhe, mit Respekt und ohne Vorbedingungen«.

Während Washing­ton die Droh­ku­lis­se aufrechterhält, reagie­ren wei­te­re Staa­ten mit kon­kre­ter Hil­fe. Nach Mexi­ko hat nun auch Spa­ni­en als ers­tes europäisches Land humanitäre Unterstützung zuge­sagt. Außen­mi­nis­ter José Manu­el Alba­res emp­fing sei­nen kuba­ni­schen Kol­le­gen Bru­no Rodríguez am Mon­tag und sag­te Lie­fe­run­gen von Lebens­mit­teln und medi­zi­ni­schen Grundversorgungsgütern zu. Die Hil­fe soll über das Sys­tem der Ver­ein­ten Natio­nen und die spa­ni­sche Ent­wick­lungs­agen­tur AECID orga­ni­siert wer­den. Öl, das Kuba der­zeit am drin­gends­ten benötigt, ist aller­dings nicht dabei – die Angst vor US-Vergeltungszöllen sitzt auch in Spa­ni­en tief. Rodríguez, der nach Ver­hand­lun­gen in Chi­na, Russ­land und Viet­nam auf der Rückreise einen Stopp in Madrid ein­leg­te, infor­mier­te sei­nen Gesprächspartner über die Fol­gen der »zuneh­men­den US- Aggres­si­on« und der tota­len Blo­cka­de von Treib­stoff­lie­fe­run­gen. Von sei­ten der EU oder der Bun­des­re­gie­rung gibt es bis­lang kei­ne mit Spa­ni­ens Hilfs­zu­sa­gen ver­gleich­ba­ren Initiativen.

Dage­gen bekräftigt Russ­land sei­ne Unterstützung. Der stell­ver­tre­ten­de Außen­mi­nis­ter Ser­gej Rjab­kow ver­si­cher­te, Mos­kau wer­de Kuba »auch in mate­ri­el­ler Hin­sicht« hel­fen. Rus­si­sche Poli­ti­ker haben neue Öllieferungen angekündigt, ohne jedoch Details zu nen­nen. Noch wird in Mos­kau dis­ku­tiert, wie die Trans­por­te gegen mögliche US-Angrif­­fe abge­si­chert wer­den könnten. Dor­ti­ge Exper­ten erwägen offen­bar, Öltanker auf dem Weg nach Kuba durch Kriegs­schif­fe beglei­ten zu las­sen. Das rus­si­sche Por­tal Wsgl­jad und später auch Rus­sia Today grif­fen ent­spre­chen­de Überlegungen auf. Hin­ter­grund ist die Sor­ge, Washing­ton könne Lie­fe­run­gen blo­ckie­ren oder Schif­fe kapern. Zwar gibt es bis­lang kei­nen kla­ren Präzedenzfall für eine direk­te Fest­set­zung rus­si­scher Tan­ker, doch das Risi­ko wird in Mos­kau als real eingeschätzt. Die Exper­ten argu­men­tie­ren, Kuba brau­che vor allem Treib­stoff, während ande­re humanitäre Güter not­falls aus ande­ren Quel­len beschafft wer­den könnten.

Par­al­lel zur Treib­stoff­blo­cka­de ver­sucht Washing­ton eine wei­te­re wich­ti­ge Devi­sen­quel­le Kubas zu zerstören: den Export medi­zi­ni­scher Dienst­leis­tun­gen. US-Außen­­mi­­nis­­ter Rubio bezeich­ne­te die medi­zi­ni­schen Bri­ga­den als »Zwangs­ar­beits­sys­tem« und kündigte an, Visa von kuba­ni­schen und ausländischen Funktionären zu ent­zie­hen, die dar­an betei­ligt sei­en. Nach Anga­ben von Efe hat im ver­gan­ge­nen Jahr etwa ein Dut­zend Länder, vor allem in der Kari­bik und Mit­tel­ame­ri­ka, sei­ne Verträge mit Kuba gekündigt oder redu­ziert – unter star­kem Druck der USA. Die US-Regie­rung greift damit eine Säule der kuba­ni­schen Wirt­schaft an, die neben dem – seit der Pan­de­mie ohne­hin rückläufigen – Tou­ris­mus und Rücküberweisungen zen­tral ist.

Beson­ders weit geht Washing­ton in St. Lucia: Dort warn­te Pre­mier­mi­nis­ter Phil­ip J. Pierre vor einem »erns­ten Pro­blem« für das überlastete Gesund­heits­sys­tem der Kari­bik­in­sel. Die USA würden jetzt ver­lan­gen, Staatsangehörigen sei­nes Lan­des ein Medi­zin­stu­di­um in Kuba zu ver­bie­ten. Doch »die meis­ten loka­len Ärzte wur­den in Kuba aus­ge­bil­det«, so der Pre­mier­mi­nis­ter. Washing­tons Vor­ge­hen verschärfe so auch die Kri­se im Gesund­heits­we­sen von St. Lucia zusätzlich, klag­te Pierre.

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