Nächs­ter Halt: Kuba?

By Published On: April 17, 2026Cate­go­ries: News

(17.04.2026: Tages­zei­tung jun­ge Welt von David Siegmund-Schultze)

Auf die Drohgebärden Washing­tons gegen Kuba schei­nen nun kon­kre­te Vor­be­rei­tun­gen für eine militärische Ope­ra­ti­on zu fol­gen. US-Präsident Donald Trump soll dem Pen­ta­gon vor weni­gen Tagen eine Anwei­sung erteilt haben, ent­spre­chen­de Pläne anzu­fer­ti­gen, wie USA Today am Mitt­woch (Orts­zeit) berich­te­te. Die Zei­tung beruft sich auf zwei anony­me Quel­len aus dem US- Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um, die mit der Anord­nung ver­traut sein sol­len. Erst am Mon­tag hat­te Trump zum wie­der­hol­ten Mal der sozia­lis­ti­schen Insel­re­pu­blik gedroht: »Viel­leicht wer­den wir in Kuba vor­bei­schau­en, wenn wir hier­mit fer­tig sind« – gemeint war der US-israe­­li­­sche Angriffs­krieg gegen Iran. Trump erwar­te, »die Ehre zu haben, Kuba zu neh­men« – er könne mit dem Land alles machen, was er wol­le, tönte der US-Präsident weni­ge Wochen zuvor.

Darüber, dass den Wor­ten Taten fol­gen können, war sich die Regie­rung in Havan­na auch schon vor dem Bericht von USA Today bewusst: Wenn die Ver­ei­nig­ten Staa­ten die Insel angrei­fen soll­ten, »wird es einen Kampf geben, und wir wer­den uns ver­tei­di­gen, und wenn wir ster­ben müssen, wer­den wir ster­ben«, zitier­te der US-Sen­­der NBC News Kubas Präsidenten Miguel Díaz-Canel am Sonn­tag. Gleich­zei­tig zeigt sich Havan­na wei­ter offen für Ver­hand­lun­gen mit Washing­ton. Man sei immer bereit gewe­sen, diplo­ma­ti­sche Lösungen mit den USA zu suchen, beton­te Vize­au­ßen­mi­nis­te­rin Ana­yan­si Rodríguez Came­jo im Gespräch mit jun­ge Welt am Don­ners­tag in Ber­lin. Sie sprach von »zahl­rei­chen gemein­sa­men Inter­es­sen« mit Washing­ton, etwa bei der Bekämpfung von Dro­gen­han­del und Ter­ro­ris­mus. Die Gespräche befänden sich jedoch erst »in einem frühen Sta­di­um«, sag­te Camejo.

Es stellt sich die Fra­ge, auf wel­cher Basis Ver­hand­lun­gen statt­fin­den sol­len. Denn für die USA zählt Kuba offi­zi­ell zu den »terrorunterstützenden Staa­ten«. Trumps Ziel ist, die Souveränität der sozia­lis­ti­schen Repu­blik zu bre­chen, was für Havan­na selbst­re­dend nicht zur Dis­po­si­ti­on steht. Und dass die jüngsten Ver­hand­lun­gen der USA mit Iran und Vene­zue­la ledig­lich der Vor­be­rei­tung militärischer Aggres­sio­nen dien­ten, wird der Regie­rung von Díaz-Canel nicht ent­gan­gen sein.

Mos­kau hat der­weil angekündigt, trotz der US-Ener­­gie­­b­lo­ck­a­­de erneut Öl nach Kuba zu lie­fern. Das sag­te Außen­mi­nis­ter Ser­geij Law­row am Mitt­woch am Ran­de eines Besuchs in Chi­na. Ende März erreich­te der seit dem 9. Janu­ar ers­te und ein­zi­ge Tan­ker mit dem auf der Insel so drin­gend benötigten Roh­stoff den Hafen von Mat­anz­as. Trump hat­te die Lie­fe­rung geneh­migt, vor­geb­lich aus »humanitären« Gründen – ein Motiv, das man der US-Regie­rung nur schwer abkauft. Ob Washing­ton wei­te­ren Lie­fe­run­gen zustim­men wird, ist unklar.

Die Ölimporte stel­len ohne­hin nur eine leich­te Ent­las­tung, aber kei­ne struk­tu­rel­le Lösung dar. Infol­ge der Ener­gie­knapp­heit »war­ten fast hun­dert­tau­send Pati­en­ten auf Ope­ra­tio­nen – etwa 11.000 davon sind Kin­der«, sag­te Came­jo gegenüber jW. Um die Ver­sor­gung der Men­schen im Land zu gewährleisten, set­ze Havan­na auf einen Aus­bau sei­ner Energieunabhängigkeit, so die Vize­au­ßen­mi­nis­te­rin. Der Anteil des inländisch pro­du­zier­ten Öls am Gesamt­ver­brauch sei auf 46 Pro­zent gestie­gen und zehn Pro­zent des Strom­ver­brauchs sei­en 2025 bereits von erneu­er­ba­ren Energieträgern gedeckt wor­den – ein Anstieg um sie­ben Pro­zent­punk­te inner­halb eines Jahrs, erklärte Came­jo. Nicht ein­deu­tig ist, wie­viel davon auf tatsächliche Fort­schrit­te und wie­viel auf einen kri­sen­be­dingt gesun­ke­nen Ver­brauch zurückzuführen ist.

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